Japanische Sprichwörter

Die japanischen Sprichwörter (jap. Kotowaza, auch 俚諺 Rigen oder 俗諺 Zokugen) sind in ihrer Aussage kritisch und lehrhaft, ein Sammelbecken oft ironisch und witzig formulierter Lebensweisheiten.

Das Sprichwort ist im literaturwissenschaftlichen Sinne und im Unterschied zur Redensart ein syntaktisch abgeschlossener Spruch.[1] Es dient dem Ausdruck einer allgemein anerkannten Lebenslehre, -weisheit und -erfahrung, die bisweilen auch imperativisch formuliert sein kann. Im Unterschied zum Aphorismus (jap. Kakugen, 格言), dem Epigramm (jap. Epiguramu, エピグラム, Keiku 警句, Suntetsu-uta (Bonmot) 寸鉄詩) und der Sentenz mit stark intellektuellem Gepräge, ist das Sprichwort eine im Volk verwurzelte Form, die von Generation zu Generation tradiert wird. Es spiegelt damit die Erfahrungen, Denkweise und Kultur eines Volkes wider.

Die Vielzahl japanischer Sprichwörter zeichnet sich aus durch einen knappen und bildhaften Ausdruck. Sie sind gekennzeichnet durch eine rhythmische Form und sind syntaktisch häufig als Parallelismen oder Chiasmen gestaltet. Thematisch stellen die lehrhaften Sinnsprüche, die in der chinesischen und buddhistischen Tradition wurzeln, die weitaus größte Gruppe der Kotowaza dar. Daneben beziehen sich Sprichwörter meist auch auf das menschliche Verhalten und die Schwächen anderer, sowie auf regionale Besonderheiten.

Man unterscheidet der Aussage nach folgende Sprichwortformen:

Als Form der Aussage kommt die – nur in chinesischer Schrift möglichen – „Vier-Zeichen“-Notierung dazu:

Bei der idiomatischen Redewendung handelt es sich streng genommen um einen Phraseologismus. Nicht jede idiomatische Wendung ist auch ein Sprichwort. Zudem muss das Sprichwort vom geflügelten Wort, das ein literarisches Zitat darstellt, unterschieden werden.

Das Sprichwort muss darüber hinaus von anderen kleinen Formen wie dem Witz (軽口, Karukuchi), dem Wortspiel (地口, Jiguchi) und der Verdrehung (語呂合わせ, Goroawase) abgegrenzt werden.

Zum 135-jährigen Bestehen startete die Yomiuri Shimbun im März 2009 eine Sprichwortkolumne. Die Kolumne beinhaltet ein Sprichwort mit Erläuterung und sie erscheint immer sonntags in der Abendausgabe. Die Kolumne wird stets an einer anderen Stelle der Zeitung platziert. Sie zielt darauf ab, dass insbesondere Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern die Zeitung durchblättern auf der Suche nach der Kolumne. Ziel ist die Einübung des Umgangs mit „ernsthaften“ Informationsmedien.[2]