Politische Parteien in Italien

Die italienische Parteienlandschaft war traditionell stark zersplittert, auch viele kleine Parteien konnten sich immer wieder auf nationaler Ebene ihren Einfluss sichern. Den kleineren Parteien kam zudem durch die häufigen Regierungskrisen und wechselnde Mehrheiten im Parlament ein nicht unerheblicher Einfluss bei der parlamentarischen Willensbildung zu.

Von 1922 bis 1943 herrschte in Italien Benito Mussolini als faschistischer Diktator. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dominierten zwei Gruppierungen, die zwar beide die Diktatur bekämpft hatten und nun bestrebt waren, ein Wiedererstarken des Faschismus zu verhindern, sich aber in ihren Ansichten deutlich unterschieden: die westlich orientierten Christdemokraten und die anfangs sowjettreuen Kommunisten, die sich nach und nach von Moskau distanzierten und als Vertreter des Eurokommunismus auftraten. Dieser Gegensatz prägte das öffentliche Leben der Italiener während der sogenannten Ersten Republik (bis 1994). Das politische System Italiens reflektiert dies.

Auch in vielen italienischen Filmen zeigt sich dieser Gegensatz (z. B. Don Camillo und Peppone). Der Gegensatz spiegelte sich auch in der Gewerkschaftsbewegung, die Gewerkschaften waren in ein kommunistisches (CGIL), ein christliches (CISL), ein sozialdemokratisch-laizistisches (UIL) und ein neofaschistisches Lager (CISNAL) gespalten.

Die 1970er Jahre – die berüchtigten anni di piombo (bleiernen Jahre) – wurden vom politischen Extremismus bestimmt. Der Terrorismus der linksextremen Roten Brigaden und die blutigen Attentate neofaschistischer Extremisten, an denen auch die Geheimdienste beteiligt waren, führten zu einer bedrohlichen Destabilisierung der politischen Situation.

Die schwierigen Umstände führten zu einer Annäherungen von Christdemokraten und Kommunisten (compromesso storico). Die Kommunisten erklärten sich bereit, eine christdemokratische Minderheitsregierung zu tolerieren. Umgekehrt ließen die Christdemokraten zu, dass die Kommunisten ihre Forderung nach einer Koppelung der Löhne an die Inflation durchsetzten (Diese Regelung wurde dann wegen einer einsetzenden Lohn-Inflationsspirale in den 80er Jahren wieder abgeschafft).

Siehe auch: Pentapartito

Vierzig Jahre lang war die Democrazia Cristiana (DC) an jeder Regierung beteiligt (bis 1994), sie war die dominante Partei und lag in den ersten Jahren immer im Bereich von 40 % der Wählerstimmen. Diese Dominanz nahm langsam ab, bis sie zum Schluss bei knapp unter 30 % lag. Unter Beibehaltung eines reinen Verhältniswahlrechts (ohne 4- oder 5-Prozent-Hürde) gelang es der Partei durch die Einbeziehung von i. d. R. vier oder fünf kleineren Parteien (sog. Pentapartito), die Kommunisten von einer Regierungsübernahme abzuhalten. Die weitaus meisten Ministerpräsidenten der sogenannten Ersten Republik (1946–1994) entstammten der Democrazia Cristiana. De Gasperi und Andreotti führten jeweils sieben, Fanfani sechs und Moro fünf Regierungen an. Nur vier Kabinette wurden von Mitgliedern anderer Parteien geführt: namentlich die Regierungen Spadolini (PRI, 1981–82), Craxi (PSI, 1983–87), Amato (PSI, 1992–93) und Ciampi (parteilos, 1993–1994).

Skandale um Korruption und weitere illegale Machenschaften bis hin ins Mafiöse erschütterten die Partei und lösten einen Zusammenbruch nach innen aus. Aus ihr gingen zahlreiche Kleinparteien hervor, zahlreiche Christdemokraten fanden sowohl im neuen Mitte-links- als auch Mitte-rechts-Lager ihre neue politische Heimat.

Die Kommunistische Partei Italiens mit ihrem langjährigen Vorsitzenden Enrico Berlinguer war zu Beginn der 1970er Jahre mit über zwei Millionen Mitgliedern und zirka 30 Prozent der Wählerstimmen die stärkste und politisch einflussreichste KP der kapitalistischen Industriestaaten. Im Parlament belegte sie den zweiten Platz. 1976 konnte die Partei ihr bestes Ergebnis bei den italienischen Parlamentswahlen verzeichnen, 34,4 %, blieb aber hinter den Christdemokraten stehen. 1984 gelang es der KPI zum ersten und einzigen Mal als stärkste Partei hervorzugehen: Sie erreichte bei der Europawahl 33,3 % der Stimmen und landete knapp vor den Christdemokraten mit 32,97 %.

Die KPI konnte sich nie direkt an der nationalen Regierung beteiligen. Ihre Tolerierung war aber maßgeblich für das Bestehen eines christdemokratischen Minderheitskabinetts von 1976 bis 1979.

Der 1892 gegründete Partito Socialista Italiano (PSI) repräsentierte die sozialistische Tradition Italiens. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete der PSI zusammen mit den Kommunisten die Volksfront gegen die „kapitalistische Restaurierung“. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre distanzierte sich die Partei nach und nach von der KPI. Dabei spielte die Niederschlagung der Aufstände in Ungarn und Polen im Jahr 1956 eine zentrale Rolle. Im Jahr 1963 begann dann eine vornehmlich von der DC und der PSI getragene Phase von Mitte-links-Koalitionen. 1979 wurde Sandro Pertini als erster Sozialist zum Präsidenten der italienischen Republik gewählt. 1983 kam es dann mit Bettino Craxi zur ersten Regierung unter sozialistischer Führung. Bei Wahlen konnte die Partei regelmäßig um die 10 % der Stimmen auf sich vereinigen, ihr bestes Ergebnis erlangte sie 1987 mit 14,2 %.

Der Partito Socialista Democratico Italiano (PSDI) spaltete sich 1947 von den Sozialisten ab, aus Protest gegen den damals sowjetfreundlichen Kurs der Partei. Die Sozialdemokraten waren an zahlreichen Koalitionsregierungen unter Führung der DC beteiligt. 1969 wurde Giuseppe Saragat zum 5. Präsidenten der italienischen Republik gewählt. Der PSDI war eine kleine Partei: Das beste Ergebnis lag 1948 bei 7,21 %, danach stagnierte sie zwischen 2,5 % und 4 %.

Der Partito Liberale Italiano (PLI) wurde 1922 gegründet. Die Partei wurde unter der faschistischen Diktatur verboten und konstituierte sich 1944 neu. Zu den Mitbegründern gehören der Philosoph Benedetto Croce sowie die ersten zwei italienischen Staatspräsidenten, Enrico De Nicola und Luigi Einaudi.

Der PLI war an vielen Regierungen beteiligt, verlor mit dem Umbruch im italienischen Parteiensystem infolge weit verbreiteter Korruption 1992/1993 aber an Einfluss und löste sich schließlich am 6. Februar 1994 auf. Ihr bestes Wahlergebnis erreichte die Partei bei den Parlamentswahlen 1963, sie erreichte damals 7,0 % der Stimmen.

Der Partito Repubblicano Italiano (PRI) entstand bereits 1895. Seine ideologischen Vorbilder waren Giuseppe Mazzini und Carlo Cattaneo (ein italienischer Föderalist aus dem 19. Jahrhundert). Im Gegensatz zum Partito Liberale Italiano, welcher wirtschaftsliberale Positionen vertrat, war der PRI eher Mitte-Links bzw. sozialliberal einzuordnen.

Der PRI war mehrmals an italienischen Regierungen beteiligt und stellte mit Giovanni Spadolini (1981–1982) den ersten nicht-christdemokratischen Ministerpräsidenten in Italiens Nachkriegsgeschichte.

Ihr bestes Wahlergebnis erzielte die Partei im Jahr 1983 mit 5,1 % der Stimmen.

Der Movimento Sociale Italiano (deutsch: Italienische Sozialbewegung, abgekürzt MSI) wurde am 26. Dezember 1946 von Anhängern der Repubblica Sociale Italiana (darunter Giorgio Almirante, Augusto De Marsanich und Pino Romualdi) gegründet. Das Parteisymbol war die Flamme in den italienischen Nationalfarben (fiamma tricolore).

Von den anderen Parteien ausgegrenzt, konnte der MSI nie Regierungsverantwortung übernehmen. Bis auf die Tolerierung des kurzlebigen Kabinetts Tambroni (25. März 1960 bis 26. Juli 1960) konnten die Neofaschisten effektiv von der Macht ferngehalten werden.

Die Wahlergebnisse des MSI lagen stabil zwischen 4 % und 6 %. Ihr bestes Ergebnis erzielte die Partei nach der Fusion mit den Monarchisten bei den Parlamentswahlen 1972 (8,6 % in der Kammer und 9,0 % im Senat). Den höchsten Zuspruch erhielt der MSI in der Region um Rom (17,4 %) und in Süditalien (26,3 % in Neapel).

Weil es faktisch keine Sperrklauseln gab, waren die Parteien immer auf Koalitionen angewiesen und so zeigte sich in Italien ein hoher Regierungsverschleiß. Je nachdem wie man operationalisiert, handelt es sich um 50–60 Regierungen in der so genannten 1. Republik (bis 1994). Erstaunlicherweise weist jedoch die Politik und die Personalbesetzung eine große Kontinuität auf. Oftmals wurden abgewählte Ministerpräsidenten in der nächsten Wahl unter minimal anderen Koalitionsverhältnissen wiedergewählt. Die lange Phase der Regierungsbildung, bei der die Verfassung den Parteien allen Freiraum beließ, während das Parlament als ganzes zur Untätigkeit verdammt war, führte oft zu Ergebnissen, die den unmittelbaren Wahlausgang nur mehr sehr bedingt widerspiegelten, und diese Diskrepanzen trugen zur Entfremdung der Bürger von den politischen Parteien und Institutionen bei.

Zu Beginn der 1990er-Jahre hat die italienische Parteienlandschaft einen tiefgreifenden Wandel erfahren.

Das Ende des Kalten Krieges und der Mauerfall beschleunigten den bereits in den 1970er-Jahren begonnenen ideologischen Wandel der Kommunisten. Die Mehrheit der PCI beschloss 1991, sich in Partito Democratico della Sinistra (PDS; Demokratische Linkspartei) umzubenennen – später verkürzt zu Democratici di Sinistra (DS; Linksdemokraten) – und fortan sozialdemokratisch aufzutreten. Die Minderheit, die weiter das Ziel des Kommunismus verfolgen wollte, bildete die Partito della Rifondazione Comunista (PRC). Mehrere Abspaltungen führten zu einer weiteren Zersplitterung des linken Spektrums in mehrere kleine Parteien neben den DS.

Auch im Bereich der anderen Parteien vollzog sich in dieser Zeit ein tiefgreifender Wandel. Durch die unter dem Namen Mani pulite (wörtlich übersetzt „Saubere Hände“, sinngemäß „Weiße Weste“) bekannten richterlichen Untersuchungen wurde Anfang und Mitte der 1990er-Jahre ein Netz von Korruption, Amtsmissbrauch und illegaler Parteifinanzierung auf politischer Ebene aufgedeckt. Dies betraf vor allem die langjährigen Regierungsparteien Democrazia Cristiana (DC) und der Sozialistischen Partei (PSI, Partito Socialista Italiano).

Die Ermittlungen führten zum Zusammenbruch der Democrazia Cristiana und des Partito Socialista Italiano sowie der restlichen Parteien des Pentapartito. Aus der PSI wurde die Socialisti Italiani (SI), die PLI zerbrach in die Federazione dei Liberali (FDL) und die Unione di Centro (UdC) und aus der DC gingen die Cristiano Sociali, die Centro Cristiano Democratico, die Cristiani Democratici Uniti und Partito Popolare Italiano hervor, wobei nur die PPI der offizielle Nachfolger ist.

Es bildeten sich daneben auch später Neugründungsversuche, die jedoch allgemein erfolglos blieben; für die PSI: Nuovo Partito Socialista Italiano (2001), für die PSDI: Partito Socialista Democratico Italiano (2004), für die PLI: Partito Liberale Italiano (1997) und für die DC: Partito Popolare Progressista di Ispirazione Cristiana (1993), Nuova Democrazia Cristiana (1995), Unione Democratica per la Repubblica (1996), Rinascita della Democrazia Cristiana (1997), Cristiani Democratici per la Repubblica (1998), Partito Democratico Cristiano (2001), Democrazia Cristiana (2002), Democrazia Cristiana – Terzo Polo di Centro (2004), Rifondazione Democristiana (2006) und Democrazia Cristiana (2012).

Die politischen Entwicklungen führten zu einem Erstarken separatistischer Parteien wie der Lega Nord und dem Auftauchen der Partei Forza Italia (FI) Silvio Berlusconis, die Marketingmethoden aus der Privatwirtschaft in die Parteipolitik trug und sich mit einem vage rechtsliberal-populistischen Programm ab Mitte der 1990er Jahre als dominierende Kraft im Mitte-rechts-Spektrum etablierte. Zahlreiche Politiker der zerfallenden Democrazia Cristiana und PSI liefen trotz ihrer ideologischen Unterschiede zur Erfolg versprechenden Forza Italia über.

Nachdem das neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI) in den 1980ern und Anfang der 1990er an Bedeutung verloren hatte, schloss es sich 1994 einem Wahlbündnis mit der Forza Italia und der Lega Nord an (Polo delle Libertà) und wurde bei den Parlamentswahlen 1994 zur drittstärksten Partei. Als Teil des Kabinetts Berlusconi I war sie an der Regierung beteiligt. Zu dieser Zeit begann eine Wandlung der Partei, die ihren äußerlichen Höhepunkt 1995 durch die Umgründung am Kongress von Fiuggi in die Alleanza Nazionale hatte. Diese distanzierte sich vom Faschismus und bemühte sich um eine Wahrnehmung als demokratische rechtskonservative Partei. Dies führte zur Abspaltung mehrerer Parteien, die dem Erbe des Faschismus treu blieben, z. B. Fronte Nazionale (1990), Movimento Fascismo e Libertà (1991), Lega d'Azione Meridionale (1992), Fiamma Tricolore (1995), Unitalia (1996), Forza Nuova (1997) und Fronte Sociale Nazionale (1997).

Die Partito Radicale benannte sich 1989 in Transnational Radical Party um und strukturierte sich neu als transnationale Bewegung. 1995 erfolgte die Anerkennung durch die Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation. Gemäß den Regeln für NGOs konnte die TRP nicht an Wahlen teilnehmen, weshalb sie in den folgenden Wahlen unter verschiedenen Namen antraten (z. B. Antiproibizionisti sulla droga bei der Europawahl 1989 und Lista Pannella bei den Parlamentswahlen 199296 und bei der Europawahl 1994).

Nach dem Zerfall der alten Parteien und nach der Änderung des Wahlsystems von einem Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel zu einem gemischten Wahlrecht (Mehrheitswahl für 75 % der Sitze und Verhältniswahlrecht für 25 % der Sitze, sowie eine Sperrklausel bei 4 % für den Verhältnisanteil) formierte sich eine neue Parteienlandschaft. Die zwei größten Parteien wurden Forza Italia und der Partito Democratico della Sinistra (später in Democratici di Sinistra umbenannt).

Forza Italia, die neue von Silvio Berlusconi gegründete Partei, war keine klassische Mitgliederpartei. Ihr ging nicht, wie vielen historisch gewachsenen Parteien, eine soziale Bewegung voraus. Vielmehr gründete und etablierte Berlusconi seine Partei über die Medien. Mit der Zeit hatten sich natürlich auch bei Forza Italia klassische Strukturen (Ortsverbände etc.) gebildet und auch die Mitgliederzahl stieg an.

Lega Nord entstand 1989 aus der Fusion der Alleanza Toscana, der Liga Veneta, der Lega Autonomista Lombarda, der Piemont Autonomista, der Uniun Ligure und der Lega Emiliano-Romagnola. Anfang der 1990er Jahre wurde die Lega Nord während des Untergangs des politischen Systems der ersten Italienischen Republik infolge der Mani-pulite-Ermittlungen in Norditalien zur Massenpartei.

Nach der Änderung des Wahlrechts mussten die Parteien ihre Bündnisstrategien ändern. Um als Gewinner in den mit Mehrheitswahl gewählten Wahlkreisen (first-past-the-post-System) hervorzugehen, schlossen sie sich zu Parteienblöcken zusammen. Diese bestanden aus zahlreichen Parteien, die sich darauf einigten, in den ausgewählten Wahlbezirken nur einen Kandidaten aufzustellen. Dominierend waren die Blöcke L’Ulivo bzw. L’Unione (Mitte-Links) und Polo bzw. Casa delle Libertà (Mitte-Rechts).

1994 gewann der Mitte-rechts-Block (Casa delle Libertà, bzw. damals Polo delle Libertà und Polo del Buongoverno) die Wahl, die Regierung hielt wegen innerer Differenzen nur ein Jahr lang. Es folgte eine Mitte-links-Regierung des Ulivo-Bündnisses, die 2001 wieder vom Mitte-rechts-Block abgelöst wurde.

Trotz des Wahlsieges war es schwierig, einen Block sowie eine Regierung zusammenzuhalten. Unter den zahlreichen Koalitionspartnern kam es zu regelmäßigen Auseinandersetzungen.

Wie sich zeigte, hatte sich die typische Bipolarität eines Mehrheitswahlrechts in der Parteienlandschaft durchgesetzt, auch wenn es sich nicht um zwei Parteien (wie in Großbritannien), sondern um zwei Blöcke handelte. Allerdings ist festzustellen, dass das Mischwahlrecht von 1993 das Ziel der Bekämpfung der Parteienzersplitterung nicht erreichen konnte, im Gegenteil: nach 1994 waren deutlich mehr Parteien im Parlament als je zuvor. Dies ist dadurch zu erklären, dass sich selbst kleine Splitterparteien innerhalb der beiden Blöcke sichere Wahlkreise zusichern ließen, um nicht mit eigenen Kandidaten das Zünglein an der Waage zu spielen.

Die Bipolarisierung führte zudem zu einer verbalen Radikalisierung und zu einer Verrohung des politischen Umgangs, wie sie selbst zu Zeiten des Kalten Krieges nicht vorzufinden war.

Auch das 2005 eingeführte und 2006 erstmals angewendete neue Wahlrecht, das wieder ein Mischsystem aus Mehrheits- und Verhältniswahl vorsieht, fördert die Wahlbündnisse. In diesen ist seit einiger Zeit der Wunsch gewachsen, zu echten Parteien zu werden. In etwa könnte man die Entwicklung mit der von Frankreichs UDF in den 1980ern vergleichen.

Hier ein Überblick über das Wahlrecht 2005:

Im Aostatal (ein Wahlkreis) und in Trentino-Südtirol (sechs Wahlkreise und sieben Senatoren) wird weiterhin nach dem alten Mehrheitswahlrecht gewählt.

Siehe auch: Alleanza dei Progressisti, L’Ulivo, L’Unione

Siehe auch: Casa delle Libertà, Polo delle Libertà, Polo per le Libertà

Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2008 kam es ab 2007 zu einer starken Konsolidierung der Parteienlandschaft.

Die Linksdemokraten, La Margherita (christlich-sozial), sowie sieben andere liberale, christlich-soziale und grüne Parteien des Mitte-links-Spektrums vereinigten sich zur Partito Democratico („Demokratischen Partei“). Als Reaktion darauf verschmolzen 2009 die beiden führenden Parteien des rechten Spektrums, Berlusconis Forza Italia und die Alleanza Nazionale, zur Partei Popolo della Libertà (PdL „Volk der Freiheit“).

Bei der Wahl 2008 konnten die beiden großen Sammelparteien PdL (mitte-rechts; damals noch nicht als einheitliche Partei, aber als gemeinsame Liste) und PD (mitte-links) zusammen über 70 % der Mandate erringen.

Neben diesen Parteien waren nur noch drei kleinere Parteien in Fraktionsstärke vertreten: Lega Nord (Bündnispartner des PdL), Italia dei Valori (Bündnispartner der PD) und UDC (allein angetreten). Hinzu kamen einzelne Abgeordnete von Regionalparteien und Auslandsitalienern. Hingegen verpasste die gemeinsame Liste der linken und grünen Parteien La Sinistra – L’Arcobaleno („Die Linke – Der Regenbogen“) mit 3,1 % den Einzug ins Parlament (zwei Jahre zuvor hatten die beteiligten Parteien zusammen noch über 10 % erhalten). Folglich waren zum ersten Mal seit 1945 keine Kommunisten mehr im Parlament vertreten.

Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2013 erstarkte die Protestbewegung Movimento 5 Stelle von Beppe Grillo und zog in das italienische Parlament als neue Oppositionspartei ein. Knapp vor den bisherigen Großparteien PD und PdL, die beide deutlich verloren, wurde sie sogar stärkste Partei, hatte aber keinerlei Koalitionsoptionen. Als viertstärkster Partei gelang der Scelta Civica („Bürgerliche Wahl“) der Einzug ins Parlament, die als pragmatische Kraft der Mitte das Reformprogramm des Finanzexperten und ehemaligen Übergangspremiers Mario Monti fortsetzen wollte. Die christdemokratische UDC sackte zur Kleinpartei ab, die Linksaußen-Parteien verpassten erneut den Einzug ins Parlament. PD, PdL und Scelta Civica einigten sich auf die Bildung einer „Großen Koalition“, womit erstmals seit 1994 die Einteilung in einen Mitte-links- und einen Mitte-rechts-Block aufgehoben war. Die PdL spaltete sich jedoch einige Monate später: Der Mehrheitsflügel der Berlusconi-Unterstützer nahm wieder den Namen Forza Italia an und verließ die Regierung, die Nuovo Centrodestra („Neue rechte Mitte“) setzte hingegen die Koalition mit der PD fort. Letztere erlebte einen zeitweiligen Höhenflug, der sie bei der Europawahl 2014 mit über 40 % weit vor allen anderen Parteien platzierte.

Die Parlamentswahlen 2018 brachten einen Absturz der etablierten und einen Triumph der Protestparteien. Sowohl die bis dahin regierende PD als auch die Forza Italia (die 1994 ironischerweise selbst als Protestpartei gegründet worden war, mittlerweile aber als Altpartei wahrgenommen wurde) erlitten erneut deutliche Verluste: Hatten die beiden Parteien PD und PdL (Vorgänger der FI) bei der Wahl 2008 noch mit zusammen 70 % die politische Landschaft dominiert, kamen sie jetzt in Summe nicht einmal auf ein Drittel der Stimmen. Forza Italia verlor mit nur noch 14 % der Stimmen auch die Führungsrolle im Mitte-rechts-Spektrum an die Lega Nord. Diese trat nicht mehr als norditalienische Regionalpartei auf, sondern als rechtspopulistische und nationalistische Partei für ganz Italien, und nannte sich folglich nur noch „Lega“. Damit konnte sie ihren Stimmenanteil vervierfachen. Stärkste Kraft wurde erneut die Fünf-Sterne-Bewegung, die ihr bereits überraschend starkes Ergebnis von 2013 nochmal deutlich übertraf. Trotz großer ideologischer Differenzen bildeten Lega und Fünf Sterne eine Koalition, die sich selbst „Regierung des Wandels“ nannte, in der Presse aber oft als „Koalition der Populisten“ bezeichnet wurde. Die beiden (ehemals) großen Parteien des Mitte-links- und des Mitte-rechts-Lagers, die (mit ihren jeweiligen Vorgängerparteien) das politische System seit 1994 dominiert hatten, mussten hingegen in die Opposition gehen.

Europäische politische Parteien
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 Vatikan ohne Parteipolitik

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Italiens Parteiensystem im Übergang 1992–1995