Open Educational Resources

Als Open Educational Resources (englisch, kurz OER) werden freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz wie etwa Creative Commons oder GNU General Public License in Anlehnung an den englischen Begriff für Freie Inhalte (open content) bezeichnet.

Das Konzept von OER kann als eine neue Art der Informationserstellung und -(ver-)teilung im Bildungsbereich verstanden werden. Es ist eine verstärkte Integration von OER im Bereich der internetbasierten Wissensvermittlung sowie in der Fern- und Hochschullehre zu beobachten.[1] Insbesondere im Bereich der Social Media ist eine zunehmende Verbreitung von OER zu erkennen. Auf diese Weise erhoffen sich Autoren von OER einen stärkeren Verbreitungsgrad ihrer Inhalte sowie eine damit einhergehende steigende Reputation.[2]

Die Motivation der Befürworter reicht von der Zähmung des monopolistisch geprägten Buchmarktes[3] bis zur Vision der Schaffung einer Bildungswelt, in der jeder Mensch auf der Welt Zugang zum global aggregierten Wissen hat. Eine große Hoffnung im Zuge der Verbreitung von OER ist der Ausgleich der globalen Unterschiede hinsichtlich des Zugangs zu digitalen Medien und Bildung. Insbesondere wenig entwickelte Länder sollen von dem Zugang und der Nutzung der OER profitieren.[4]

Der Begriff wurde erstmals vom UNESCO 2002 Forum on the Impact of Open Courseware for Higher Education in Developing Countries[5] verwendet. Als OERs können sowohl freie Lernmaterialien, freie Software als auch freie Lizenzen begriffen und verstanden werden.

Die unterschiedlichen Definitionen und Verständnisse von OER beinhalten nach Geser (2007) folgende Merkmale:

Die „William and Flora Hewlett Foundation“ definiert OER wie folgt:

OER können aus unterschiedlichsten digitalen Inhalten und Formaten bestehen. Lerninhalte können z. B. Onlinekurse, Kursmaterialien, Open Textbooks, Aufgabensammlungen oder Zeitschriften etc. sein.

Der Begriff der Open Educational Resources ist vor dem Hintergrund der sozialen Bewegung des Open Source entstanden, die seit den 1960er und dann verstärkt seit den 1970er Jahren die Offenlegung, die Weitergabe und das Studium der Quelltexte von Software forderte. Die Hacker-Kultur, die unter den Programmierern am Massachusetts Institute of Technology gediehen war, führte zur Gründung des GNU-Projekts und schließlich Anfang der 1990er Jahre zur Veröffentlichung des freien Betriebssystems Linux. In den 1990er Jahren entstand zudem die Open-Access-Bewegung, die sich für den offenen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur einsetzte, insbesondere wenn diese Ergebnisse aus Forschungsprojekten enthalte, welche aus öffentlichen Mitteln finanziert worden waren.[8] Der nächste Schritt in dieser Richtung war die bildungspolitische Forderung nach Open Education, wonach Bildung als solche frei verfügbar zu machen sei. Im Jahr 2001 startete die Wikipedia zur gemeinschaftlichen Erstellung einer Online-Enzyklopädie.

Vorreiter bei freien Inhalten im akademischen Bereich war das MIT-OpenCourseWare-Projekt, in dessen Rahmen seit 2002 Lehr- und Lerninhalte aus der Hochschullehre vom Massachusetts Institute of Technology unter einer freien Lizenz online veröffentlicht werden.[9] Dieses Angebot ließ die UNESCO insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse von Entwicklungsländern bewerten. Der abschließende Bericht des Forum on the impact of open courseware for higher education in developing countries führte seinerzeit den Begriff der Open Educational Resources ein. Als alternative Bezeichnungen wurden die Begriffe open courseware, open learning resources und open learning/teaching resources empfohlen.[10] Der Bericht zählte vier Merkmale auf, die OER auszeichnen:[10]

Im Vordergrund standen damals also insbesondere die Vorteile für ärmere Länder, die sich daraus ergeben, dass Lernmittel in Form von digitalen Medien mit vergleichsweise niedrigen Kosten verfügbar geworden waren. Man stellte sich enthusiastisch[11] eine „weltweite Gemeinschaft von Lehrern“ vor, die gemeinsam Lernmittel entwickeln und untereinander austauschen, und die eine wertvolle Ressource erstellen und pflegen, ähnlich wie das UNESCO-Welterbe.[12]

Dieser Ansatz traf seinerzeit auf zwei Trends: Zum einen nahm die Bedeutung digitaler Medien für den Fernunterricht immer mehr zu. E-Learning, Blended Learning bzw. bimediales Lernen entstanden. Zum anderen nahm das Interesse am Einsatz digitaler Medien auch im Unterricht an Schulen und Hochschulen stetig zu. Das ZUM-Wiki wurde 2004 gegründet; 2006 folgte das ZUM-Grundschulwiki. In diesem Jahr wurden auch die Projekte Wikiversity und WikiEducator ins Leben gerufen.

Im Jahr 2007 stellte die OECD, die sich eher am Rande mit Open Educational Resources beschäftigt, fest, das Interesse an OER sei im Wachsen begriffen, und gab Empfehlungen für die weitere Verbreitung von OER auf nationaler und internationaler Ebene. Die Untersuchung hob den Nutzen von OER für eine Reihe von Nutznießern hervor, darunter die Ersparnis öffentlicher Mittel und die Förderung lebenslangen Lernens.[13][11]

Die entstehende „OER-Bewegung“[11] fand ihre politische Form in der Cape Town Declaration, die im Jahr 2008 bei einem Treffen von Aktivisten verabschiedet wurde: Lehrer und Lernende wurden dazu aufgerufen, sich der OER-Bewegung anzuschließen, Regierungen und Bildungseinrichtungen sollten auf freie Lernmittel setzen.[14] Zu den Unterzeichnern zählen viele zivilgesellschaftliche Akteure, darunter auch die Wikimedia Foundation, Wikimedia Deutschland,[15] Wikimedia France, Wikimedia Polska und Wikimedia UK. Die Ziele der Cape Town Declaration wurden 2012 auf dem ersten UNESCO-Weltkonkress[16] zu Open Educational Resources in der Pariser Erklärung aufgegriffen und weiter ausgeführt.[17] Im September 2017 veranstaltete die UNESCO gemeinsam mit der slowenischen Regierung einen zweiten OER-Weltkongress,[18] auf dem der OER-Aktionsplan von Ljubljana[19] beschlossen wurde. Er fordert in 41 Handlungsempfehlungen eine breitere Verankerung von OER in der Bildungspolitik und -praxis.

Die offene Ressource, die bislang im Bildungswesen am weitesten Verbreitung gefunden hat, ist sicherlich die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 zufolge von 96 Prozent aller Schüler zur Unterrichtsvorbereitung verwendet wird (alle Internetnutzer: 72 Prozent).[20] Dem (N)ONLINER-Atlas 2012 zufolge greift auch etwa die Hälfte der Lehrer für die Unterrichtsvorbereitung auf Wikipedia zurück. Etwa ein Zehntel nutzen das ZUM-Wiki regelmäßig. Allerdings handelt es sich bei Wikipedia nicht um ein Lehr- und Lernmittel, weil sie als Universalenzyklopädie nicht unter didaktischen Gesichtspunkten angelegt ist.

In Deutschland führte vor allem die umfangreiche Diskussion um den Schultrojaner seit dem November 2011[21] zu einer erheblichen Zunahme des Interesses an freien Lehrmitteln.[22]

2012 erschien das erste Whitepaper zur digitalen Lehrmittelfreiheit.[23] Im selben Jahr fand das erste OER Camp in Deutschland an der Universität Bremen statt.[24] Zum 1. Januar 2013 traten grundlegende Bedingungen zu Kopien von Unterrichtsmaterialien für Schulen in Kraft. In der neuen Regelung wird die digitale Kopie erstmals nicht mehr grundsätzlich verboten und mit Einschränkungen erlaubt.[25] Im September wird das erste digitale Schulbuch unter CC-Lizenz vorgestellt. Das Projekt wird von der Initiative Schulbuch-o-mat geleitet.[26] Im Jahr 2014 wurde dann das Bündnis Freie Bildung gegründet mit dem Ziel, die Open-Learning-Materialien zu fördern. Dies wurde durch die Creative Commons, der Open Knowledge Foundation Deutschland und der Wikimedia Deutschland initiiert.[27] 2015 wurde dann OER im Bereich der Hochschulen thematisiert und ein Whitepaper publiziert sowie einen Leitfaden von der UNESCO.[28][29] Mit dem Leitfaden trägt die UNESCO Handlungsempfehlungen und Argumente zusammen, damit die Entscheidungsträger in Hochschulen und Politik ermutigt werden, OER gezielt in Hochschulen zu verankern. Im Januar 2016 wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Richtlinien zur Förderung von Offenen Bildungsmaterialien veröffentlicht.[30] Im selben Jahr wurde dann die vom BMBF in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie vom DIPF veröffentlicht und untersucht die Grundlagen für die Infrastrukturen zu OER in Deutschland.[31] Im November 2016 startete die Informationsstelle OERinfo des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.[32]

Einen Überblick über Organisationen, Projekte und Einzelpersonen im Bereich OER gibt die von der OER-Community gepflegte OER World Map,[33] die ein Verzeichnis der globalen OER-Bewegung zum Ziel hat.

Neben den politischen Akteuren, die den Begriff der OER auf supranationaler Ebene in den Gremien der UNESCO geprägt haben, wird das Feld weitgehend von der William and Flora Hewlett Foundation geprägt, die schon den Start der MIT OpenCourseWare mit finanzierte. Sie unterstützt eine Vielzahl unterschiedlicher Organisationen und Projekte im OER-Kontext, zum Beispiel auch die OER World Map.[34]

Obwohl die Wikimedia Foundation mit der Wikipedia die, je nach Zählung, fünft- bis siebtgrößte Website der Welt betreibt und Wikimedia-Projekte ausschließlich aus freien Inhalten bestehen, die im Bildungswesen weite Verbreitung gefunden haben, spielt das OER-Projekt Wikiversity bisher keine herausragende Rolle, weder unter den Wikimedia-Projekten noch sonst im Bereich der Open Educational Resources.

Die Free Software Foundation tritt für den Einsatz freier Software im Bildungswesen ein.[35] Ursprünglich standen große „freie“ Projekte wie die Wikimedia-Plattformen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GFDL), die von der Free Software Foundation seit dem März 2000 herausgegeben wird. Aus Gründen der Praktikabilität ist man aber zwischenzeitlich mehrheitlich zu den Creative-Commons-Lizenzen übergegangen. Creative Commons ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Mountain View (Kalifornien), die 2001 von dem amerikanischen Verfassungsrechtler Lawrence Lessig gegründet wurde.

Die OPAL Initiative (Open Education Quality Initiative) wird international finanziert und verfolgt das Ziel, die Innovation und Qualität im Bereich Bildung und Training durch OER voranzutreiben. Die Initiative besteht aus sieben Organisationen, darunter zählt die UNESCO, European Foundation for Quality, Open University, Katholische Universität Portugal, Aalto University, International Council for Open Distance Education und Universität Duisburg-Essen. Diese Initiative wird teilweise von der europäischen Kommission gefördert.[36] Die Centre for Educational Research and Innovation (CERI) führt Ländervergleiche durch, die sich mit den Fragen nach den Anreizen und Hindernissen im Bezug auf OER-Aktivitäten sowie Nachhaltigkeit und Lizenzierung beschäftigen.[37]

Die meisten diesbezüglichen Studien zu der Frage, warum Materialien als OER angeboten werden bzw. warum dies unterbleibt, sind um 2007/2008 erschienen, nachdem die „OER-Bewegung“ soweit Gestalt angenommen hatte, um ein erstes Resümee ziehen zu können.[38]

Als technische Voraussetzungen sowohl für ein Angebot als auch für die Nutzung von OER werden die Verfügbarkeit eines breitbandigen Internetzugangs genannt sowie der Einsatz von freien Formaten, in denen OER zur Verfügung stehen. Hinzu treten Kostenargumente, insbesondere die sparsame Verwendung öffentlicher Mittel.[39] Aus rechtlicher Sicht ist die Verfügbarkeit von freien Lizenzen, vor allem die GPL, die GFDL und die Lizenzfamilie Creative Commons, eine Voraussetzung für das Erstellen, das Verteilen und die Nutzung von freien Inhalten.[39] Hinzu treten soziale Aspekte wie die Bereitschaft, Wissen selbstlos weiterzugeben, und das Verfolgen einer bestimmten „OER-Policy“ durch die Politik oder durch Bildungseinrichtungen, die freie Inhalte begünstigt.[39] Unter umgekehrten Voraussetzungen liegen demnach jeweils mehr oder weniger hohe Hürden für OER vor.[39]

Ein wichtiger Anstoß für die Bereitstellung von Kursmaterialien durch Universitäten ist die Werbung für deren Präsenzangebote. Dieses Motiv stand am Anfang der Entwicklung, noch bevor der Begriff OER geprägt worden war. Das MIT stellte seine OpenCourseWare frei ins Internet, um damit für sich zu werben. Eine Marktstudie hatte ergeben, dass die Inhalte nicht verkäuflich waren. Andererseits hatten 35 Prozent der befragten Studenten angegeben, sich unter dem Eindruck der OpenCourseWare für ein Studium am MIT entschieden zu haben. Deshalb wurde das Angebot beibehalten und weiter ausgebaut. Freie Bildungsplattformen helfen dabei, eine Bildungseinrichtung gegenüber konkurrierenden Hochschulen zu profilieren. Deshalb verschenkt auch die Open University, die auf Fernunterricht spezialisiert ist, seit einiger Zeit einen Teil ihrer Kursmaterialien. Altruistische Motive werden dadurch relativiert. Einzelne Lehrende versprechen sich von der Veröffentlichung ihres Materials neben dem Gewinn an Reputation auch mehr Feedback zur weiteren Verbesserung der Inhalte.[40][41]

Eine Hürde von OER ist, dass viele Menschen OER nicht kennen und das Angebot nicht nutzen. Dem könnte ein stärkerer Austausch von Informationen abhelfen, damit OER bekannter werden. Auch entsprechende Communitys und Netzwerke könnten es ermöglichen, insoweit neue Ideen zu erarbeiten. Weil standardisierte Qualitätssicherungsverfahren fehlen, ist eine genaue Bewertung und Einschätzung der Materialien schwierig. OER-Ressourcen sind auch schwer auffindbar. Durch eine einheitliche Nutzung von Metadaten und Indexierung kann dies verbessert werden. Es gibt nur sehr wenige OER-Ressourcen in deutscher Sprache. Die meisten Materialien werden auf Englisch veröffentlicht. Daher entstehen sprachliche sowie kulturelle Hürden.[42]

Die größte Hürde für OER dürfte aber die fehlende Bereitschaft zum Teilen eigener Materialien sein sowie die Angst vor Kontrollverlust und vor der Kritik durch die Kollegen.[43]

Das Interesse an Open Educational Resources hat seit der Diskussion um den Schultrojaner 2011–2012 zugenommen, das Thema ist aber noch immer nicht im pädagogischen Mainstream angekommen. Das erste OERCamp, das aus dem EduCamp hervorgegangen war, fand vom 14.–16. September 2012 in Bremen statt.[44] Im Sommer 2013 fand der Online-Kurs zu OER, COER13, statt. Im Herbst 2013 veranstaltete Wikimedia Deutschland die OER-Konferenz 2013, ein Jahr später die OER-Konferenz 2014. Im Frühjahr 2016 fand in Berlin das OER-Festival 2016[45] mit der erstmaligen Verleihung des OER-Award[46] statt.

Im Jahr 2011 räumte Deutschland bei einer Befragung als einziges von 28 OECD-Ländern dem Thema OER für die nahe Zukunft keine Priorität ein:[47] Der Mangel an digital verfügbarem Unterrichtsmaterial sei kein großes Problem. Erst für Ende 2014 wurde eine gemeinsame Bund-Länder-Stellungnahme zu OER angekündigt.[48]

Anzeichen für einen Wandel in der Einstellung gegenüber OER sind seitdem sowohl auf Bundesebene als auch in einigen Bundesländern erkennbar, etwa in Berlin.[49] Dort wurde zudem im Mai 2014 die erste Studie zu OER mit einem klaren Bundeslandbezug (Berlin) durch die Technologiestiftung Berlin herausgegeben.[50] 2013 wurden OER in den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD auf Bundesebene aufgenommen: „Schulbücher und Lehrmaterial (…) sollen, soweit möglich, frei zugänglich sein, die Verwendung freier Lizenzen und Formate ausgebaut werden.“[51]

Ein anderes Bild bietet sich in den USA. Die US-Regierung fasste 2011 den Entschluss in den folgenden vier Jahren 2 Mrd. $ in OER-Projekte zu investieren.[52]

Ein Großteil der früheren Arbeiten im Bereich der OER wurde von finanzstarken US Universitäten und Organisationen, wie z. B. der Flora Hewlett Foundation finanziert. Diese Organisationen unterstützten die OER-Initiativen von 2002 bis 2010 mit über 110 Mio. $, von denen mehr als 14 Mio. $ an das MIT gingen.[53] Weitere Finanzierungen wurden u. a. von der Shuttleworth Foundation sowie von britischen Organisationen wie der JISC und der HEFCE geleistet.[54]

Die UNESCO nimmt eine führende Rolle ein, hinsichtlich der Schaffung eines internationalen Bewusstseins für OER.[55] Über das International Institute of Educational Planning wurde eine Debatte angestoßen, wie OER in der Praxis umgesetzt werden kann. Insbesondere wenn die OER-Bewegung auf internationaler Staatenebene sowie durch die Unterstützung professioneller Organisationen vorangetrieben wird, haben OER, nach Ansicht der UNESCO, das Potenzial eine globale und frei zugängliche Quelle qualitativ hochwertiger Bildungsinformationen zu werden.[56]

Einheitliche Standards gibt es bis heute nicht. Denkbar sind u. a. folgende Qualitätssicherungsverfahren, die von sehr offenen bis zu geschlossenen reichen und auch kombiniert werden können:

Die Open Knowledge Foundation Deutschland entwickelte im Projekt edulabs.de das edusprint-Konzept, welches 2017 durch den Sonder-Award „Qualität für OER“ ausgezeichnet wurde.[58] Angelehnt an das Book-Sprint-Format, ist der edusprint ein kollaborativer und interdisziplinärer Prozess, bei dem über ein bis zwei Tage fokussiert an der Erstellung, Auswahl und Bewertung freier Bildungsmaterialien gearbeitet wird. Die Teilnehmer sollten Spezialisten in einem bildungsbezogenen Fachbereich sein. Indem die Teilnehmenden ihnen bekannte und qualitativ hochwertige OER zusammentragen und diskutieren, entsteht schnell eine Sammlung qualitativ hochwertiger Materialien. Die in dem Projekt gesammelten Ressourcen wurden dezentral veröffentlicht und zentral verlinkt.[59]

Schon 1998 wurde das belgische Bildungsportal KlasCement gegründet,[60] ein Netzwerk von Lehrern.[61] Die Moderation des Netzwerks wird von der Regierung von Flandern unterstützt. Im Mai 2014 stellte das Portal schon über 30 000 Unterrichtsmaterialien bereit,[62] etwa 70 % der Materialien waren 2013 mit einer CC-Lizenz versehen[63] und kostenfrei.[61] Nur wenige Nutzer sind aber bereit, eigene Materialien mit anderen zu teilen; durch ein Punktesystem sollen sie dazu stärker motiviert werden. Willkommen sind Materialien für den Bereich der Primarstufe, der Sekundarstufe, der Lehrerbildung und der Erwachsenenbildung.

Das britische Projekt Digital Futures in Teacher Education (DeFT)[91] hat die Lehrerbildung im Visier und wurde maßgeblich von der Sheffield Hallam University und der Universität Sheffield gestaltet. Das Lehrbuch ‚Digital Literacy (DL) for Open and Networked Learning‘ ist unter einer CC-BY-NC-SA-Lizenz verfügbar. Ziel des Projekts ist es, Lehrenden Hilfestellung für ihre Arbeit mit OER und die Vermittlung von digitaler Literalität zu geben.

2008 startete das OER-Projekt Wikiwijs[92] auf Initiative des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft mit freien, kostenlosen Bildungsmaterialien für Universitäten und alle Schularten und -stufen. Wikiwijs verfolgt das Ziel, die Verfügbarkeit von OER zu verbessern und die Qualität des Unterrichts sowie die Medienkompetenz der Lehrenden zu erhöhen. Nach eigenen Angaben[93] erfolgten im Jahr 2012 etwa 1300 Uploads und 650000 Downloads.

In Norwegen wurde vom Staat die NDLA – National Digital Learning Arena[94] geschaffen. Sie bietet auf einer Open-Source-Plattform OER-Materialien für den Sekundarschulbereich unter einer CC-BY-SA-Lizenz an. Mit staatlicher Förderung und Überwachung durch die Universitäten werden Projekte finanziert und der Materialbestand erweitert.[95]

Als Ende 2011 bekannt wurde, dass die Kultusministerien mit den Schulbuchverlagen vereinbart haben, Urheberrechtsverletzungen auf Rechnern in den Schulen durch den Einsatz eines sogenannten „Schultrojaners“ zu verfolgen,[109] entstand eine lebhafte Diskussion zum Einsatz von OER in den Schulen, weil dadurch der Austausch von Materialien zur Unterrichtsvorbereitung wesentlich erleichtert werden könnte. Außerdem wurde kritisiert, dass die proprietären Angebote der Schulbuchverlage immer mehr durch selbsterstellte Materialien von Pädagogen für den eigenen Unterricht verdrängt würden. Der vermehrte diesbezügliche Einsatz freier Inhalte würde den gegenseitigen Austausch auch aus rechtlicher Sicht ganz wesentlich vereinfachen.[110][111][112]

Der OER-Bewegung wurde vorgeworfen, lediglich Insellösungen zu erzeugen, deren Potenzial nur in den jeweiligen interessierten Kreisen bekannt ist und genutzt wird. Daher seien OER nicht in der Lage, bildungspolitische Ziele wenig entwickelter Länder zu erreichen. Hierzu bedarf es einer verstärkten Kommunikation der Potenziale von OER, insbesondere von Seiten der Länder, die von der OER-Bewegung bereits stark profitiert haben.[113]

Eine tiefergehende Kritik zweifelt die altruistischen Motive der OER-Bewegung an. Der OER-Bewegung werden in diesem Kontext „imperialistische“ Motive vorgeworfen. Es werde vermutet, die Schaffung und Verbreitung von Wissen primär auf der Grundlage wirtschaftlicher, politischer und kultureller Präferenzen der hoch entwickelten Länder voranzutreiben. Letztlich handele man dabei eigennützig.[4]

Das Global-OER-Logo wurde für den World Open Educational Resources Congress 2012 in der UNESCO-Zentrale in Paris entwickelt. Das Design soll die Idee und die Ziele des OER visualisieren. Umfangreiche Ausführungen zu dem OER Logo können über das OER Visual Identity Manual eingesehen werden. Der angedeutet entstehende Halbkreis steht für eine aufgehende Sonne. Die untere Struktur repräsentiert ein aufgeschlagenes Buch in der Profilansicht. In einer anderen Interpretation symbolisiert die untere Struktur einen fliegenden Vogel, welcher für Freiheit, grenzenlose Verfügbarkeit, Fortschritt und Verbreitung steht. Die drei Buchseiten im linken unteren Bereich stehen für die grundsätzliche Funktion eines Buches im Sinne einer traditionellen Ressource für Bildung. Die angedeutete Bewegung der Strukturen soll dabei Dynamik und Bewegung in Richtung des Zentrums der Abbildung andeuten. Folgt man den angedeuteten Buchseiten, sind drei Hände sichtbar. Sie stehen für Kollaboration und kollektives Wissen, welches sich in OER widerspiegelt. Die zentrale Darstellung der Hände innerhalb des Logos soll das Hauptanliegen der OER, die menschliche Weiterbildung, bekräftigen. Die in Richtung Zentrum zunehmende Größe der Hände steht für das zunehmende Interesse, die fortschreitende Entwicklung und Nutzung der OER. Das Erscheinungsbild des Logos soll zusätzlich den menschlichen Aspekt von OER in den Fokus stellen. Technische Aspekte sollen nicht zum Ausdruck gebracht werden. Vielmehr soll das Logo Autoren aller Sprachen und Kulturen motivieren einen Beitrag zu OER zu leisten. Das Logo kann auf alle Sprachen der Welt angepasst werden. Das Logo wurde bereits von der Unesco[114] in sechs offiziellen Sprachen und portugiesisch bereitgestellt. Vorschläge für weitere Sprachen konnten bei der OER Community via WSIS KC platform[115] eingereicht werden. Das jeweilige Logo wurde dann auf die UNESCO-Homepage hochgeladen. Ebenso konnten Logos auf der Wiki-Seite für OER-Logo-Versionen eingesehen und runtergeladen werden.[116] Das UNESCO-Logo wird auch kritisch diskutiert, insbesondere aufgrund der erforderlichen ausführlichen Lizenzangabe (CC BY 3.0).[117] Alternativen bieten OER-Logos unter CC0-Lizenz.[118]

Open-Educational-Resources-Logo
Logo von KlasCement
Logo von Serlo
Logo der Open Music Academy
NDLA-Logo
OER-Logo CC0