Montserrat

(englisch: „Ein vorzügliches Volk, von der Natur geformt, von Gott genährt“)

Montserrat ist eine Insel in der Karibik und gehört zu den Kleinen Antillen. Als Teil der British West Indies gehört sie zu den Britischen Überseegebieten des Vereinigten Königreichs. Ihr Name geht auf Christoph Kolumbus zurück, der die Insel 1493 auf seiner zweiten Reise nach Amerika sichtete und nach dem Kloster Montserrat in Katalonien benannte. Montserrat bedeutet auf katalanisch so viel wie „gesägter Berg“.

Die Insel liegt südwestlich von Antigua, südöstlich von Nevis und nordwestlich von Guadeloupe.

Als Vulkaninsel besteht sie im Wesentlichen aus drei vulkanischen Massiven: den Silver Hills im Norden, den Centre Hills in der Mitte und den Soufrière Hills im Süden.[3] Die vulkanischen Komplexe werden von Norden nach Süden jünger. So waren die Silver Hills vor 2,6 bis 1,2 Millionen Jahren aktiv, die Centre Hills vor 950.000 bis 450.000 Jahren und der heute noch aktive Soufrière-Hills-Vulkan entstand vor etwa 175.000 Jahren. Die Reste der alten vulkanischen Zentren Silver Hills und Centre Hills prägen heute noch als bis zu 741 Meter (Katy Hill) hohe und steile Hügel das innere Landschaftsbild der Inseln. Die Flanken der alten vulkanischen Dome sind von weichen vulkanischen Sedimentablagerungen bedeckt (Asche, Tuffe, Bims, Ablagerungen von Schutt- und Schlammströmen).[4][5]

Die zwei vulkanischen Massive Centre Hills und Soufrière Hills sind durch das Belham Valley getrennt. Das Belham Valley ist das Oberflächenabbild einer in Nordwest-Südost-Richtung verlaufenden Störung, die submarin in die Richtungen Guadeloupe und Redonda ihre Fortsetzungen findet.[6] Über das Belham Valley wird zudem ein Großteil des ablaufenden Regenwassers von den Bergen ins Meer geleitet.[7] Seit Beginn der letzten Eruption des Soufrière Hills Volcano im Jahr 1995 wurde das Belham Valley mit mehr als 12 Metern Sediment von Laharen und pyroklastischen Strömen aufgefüllt.

In Montserrat herrscht tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 23 und 30 °C. Niederschlag fällt während des ganzen Jahres, welches sich jedoch in Regenzeit (Juli–November) und Trockenperiode (Februar–April) untergliedert. 70 Prozent der jährlichen Grundwassererneuerung findet im Zeitraum zwischen Juli und Dezember statt.[7] Die Westseite der Insel und die Centre Hills haben ein regenreiches Mikroklima und daher üppigen Regenwald. Im Gegensatz dazu sind die nördlichen Silver Hills und die Ostküste der Insel von einem ariden Mikroklima geprägt und mehrheitlich von trockenen Dornenbüschen bewachsen.[8]

Rund 290 m vor der Nordküste liegt die winzige (weniger als 1000 Quadratmeter messende) Felseninsel Little Redonda (nicht zu verwechseln mit der etwa 21 Kilometer nordwestlich gelegenen, zu Antigua und Barbuda gehörenden Insel Redonda).

Geowissenschaftler datieren die letzte Eruption auf Montserrat auf das 16. Jahrhundert, folglich auf vor der Besiedlung der Insel durch Europäer. Die erste historisch dokumentierte Eruption ist somit gleichzeitig auch die jüngste Aktivitätsphase der Insel: nach 370-jähriger Pause kündigten Erdbebenschwärme ab 1992 den bevorstehenden Ausbruch des Soufrière-Hills-Vulkans an.[9] Seit 1995 ist der Vulkan aktiv und hat im Laufe der Eruption einen großen Teil der Insel inklusive der Hauptstadt Plymouth verwüstet. Die Aktivität des Vulkans erfolgte zunächst nach einem zyklischen Muster von zwei- bis dreijährigen Phasen hoher Eruptionsaktivität (vulkanianische Eruptionen, pyroklastische Ströme und Aufbau eines Lavadoms) im Wechsel mit drei- bis vierjährigen Perioden von vulkanischer Inaktivität an der Oberfläche, aber anhaltender Bodendeformation durch erneuten Druckaufbau im Erdinneren.[10] Ein partieller Domkollaps im Jahr 2010 markiert die letzte eruptive Aktivität (Stand Juni 2020). Geodätische Messungen zeugen aber von weiterer Druckzunahme in den Magmenkammern.[11]

Aufgrund des Vulkanausbruchs sind zwei Drittel der Insel und ein Umkreis von zehn Seemeilen um den südlichen Teil der Insel als Sperrgebiet ausgewiesen. Ein Befahren der Küstengewässer ist riskant, da keine aktuellen Seekarten vorliegen. Wenn es die vulkanische Aktivität zulässt, werden Führungen in das Sperrgebiet der Insel angeboten. Weitere Informationen über den Vulkan, dessen Überwachung und die aktuelle Gefahrenlage können beim Montserrat Volcano Observatory (MVO) eingeholt werden (Besichtigung möglich).

Montserrat hat 4649 Einwohner (Stand 2018).[12] Zur Zeit des Zensus 2011 war Look Out mit 670 Einwohnern die größte Ansiedlung.[13] 88,4 Prozent der Einwohner sind schwarzafrikanischer Abstammung, gefolgt von Mischlingen mit 3,7 und Hispanics mit drei Prozent (alle Angaben Stand 2011).[14]

Montserrat ist seit etwa 7000 Jahren besiedelt. Ab 400 v. Chr. wanderten Arawak ein, die bis zur europäischen Landnahme die Bevölkerungsmehrheit stellten. Im 15. Jahrhundert wurden sie von den kriegerischen Kariben unterworfen. Die Kultur der Arawak blieb jedoch dominant. 2016 konnten die ersten Petroglyphen auf der Insel entdeckt werden, deren Alter von Experten auf 1000 bis 1500 Jahre geschätzt wird. Weitere Untersuchungen sollen den Entstehungszeitpunkt genauer bestimmen und die mögliche Bedeutung der Zeichen klären.[15]

Christoph Kolumbus sichtete als erster Europäer die Insel am 3. November 1493 und nahm sie unter dem Namen Santa Maria de Montserrat, nach dem bekannten Kloster Montserrat im gleichnamigen Gebirge in Katalonien (Spanien), für die spanische Krone in Besitz. Allerdings wurde die Insel Montserrat nie von Spaniern besiedelt.

Das Desinteresse der Spanier nutzten die Engländer aus und gründeten 1632 eine erste Siedlung. Die Spannungen zwischen Katholiken und Anglikanern im Mutterland, die in den Englischen Bürgerkrieg mündeten, hatten die Karibik erreicht. Die irischen Bewohner der Nachbarinsel St. Kitts wurden nach Montserrat umgesiedelt. Später kamen irische Einwanderer aus anderen britischen Kolonien Amerikas hinzu. Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung.

1674 bildete Montserrat gemeinsam mit Antigua, St. Kitts und Nevis eine Konföderation englischer Inselkolonien mit gemeinsamem Abgeordnetenhaus unter dem Gouverneur William Stapleton.[16]

Die Siedler bauten Tabak, Zuckerrohr und Baumwolle an. Für die Arbeit auf den Feldern wurden westafrikanische Sklaven eingeführt. Deren Nachkommen bilden heute die Bevölkerungsmehrheit. 1838 wurde die Sklaverei abgeschafft.

Von 1871 bis 1956 gehörte Montserrat zur Federal Colony of the Leeward Islands, 1958 wurde es Mitglied der Westindischen Föderation. Nach Auflösung der Föderation 1962 entschieden sich die Inselbewohner in einer Abstimmung dafür, wieder britische Kronkolonie zu werden. Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung.

Im September 1989 wurde die Insel von Hurrikan Hugo mit voller Wucht getroffen und stark zerstört.

Ein Großteil der Insel wurde durch eine Reihe von Ausbrüchen des Vulkans Soufrière Hills, die am 18. Juli 1995 begannen, verwüstet. Davon betroffen war auch der einzige Flughafen Montserrats. 75 Prozent der Bevölkerung flohen von der Insel. Die Hauptstadt Plymouth wurde 1997 wegen der Vulkanausbrüche offiziell aufgegeben. Ein Übergangsregierungssitz wurde in Brades am nordwestlichen Ende der Insel eingerichtet.

Im Februar 2005 wurde der Terminal des neuen Flughafens John A. Osborne auf der Nordhälfte der Insel von Prinzessin Anne eingeweiht;[17] am 11. Juli 2005 wurde der Flughafen offiziell in Betrieb genommen.[18] In Little Bay ist eine neue Hauptstadt in Bau.

Der 17. September ist für die Bewohner Montserrats verbunden mit drei Katastrophen:[19]

Montserrat ist ein Britisches Überseegebiet auf Grundlage der Verfassung aus dem Jahr 2010.[21] Es ist Mitglied der Karibischen Gemeinschaft und der Organisation Ostkaribischer Staaten. Montserrat gehört zu den Trägern der University of the West Indies.

Regierungschef der Insel ist der Premier von Montserrat.

Die Verteidigung der Insel ist Aufgabe der Britischen Streitkräfte. Montserrat unterhält mit der 1899 gegründeten Royal Montserrat Defence Force eine um die 20 Soldaten umfassende Freiwilligentruppe, die vor allem zeremonielle Aufgaben wahrnimmt.[22]

Montserrat besteht aus drei Verwaltungsgemeinden (parishes):

Die Gemeinden im Osten und Süden liegen in den Sperrzonen, die nach dem Ausbruch des Vulkans Soufrière Hills eingerichtet wurden, und bestehen nur noch de jure. Die gesamte Bevölkerung konzentriert sich im Parish of Saint Peter im Nordwesten der Insel, wo auch der vorläufige Regierungssitz Brades liegt.

Ursprünglich gab es noch eine vierte Parish St. Patrick (heute Ostteil von St. Anthony).[24]

Die Wirtschaft Montserrats wurde von den Vulkanausbrüchen ab 2005 hart getroffen. Das nominale Bruttoinlandsprodukt, das 1994 bei etwa 73 Mio. US-Dollar gelegen hatte, sank bis 2001 auf weniger als die Hälfte dieses Werts. 2018 betrug das BIP nominal etwa 62 Mio. US-Dollar.[2] Die öffentliche Verwaltung generiert etwa ein Drittel der gesamten Wertschöpfung.[25]

Es herrscht Linksverkehr. Montserrat war nach der Zerstörung des W. H. Bramble Airport durch den Ausbruch der Soufrière Hills 1997 nur noch per Schiff oder Helikopter erreichbar, bis am 11. Juli 2005 der für ungefähr 18,5 Mio. US$ neu erbaute Flughafen John A. Osborne im Norden der Insel eröffnet wurde.

In den 1980er-Jahren befand sich auf Montserrat die Zweigstelle der Air Studios des früheren Beatles-Produzenten George Martin, der zeitweise auf Montserrat lebte. In den Studios nahmen renommierte Musiker berühmte Alben auf, so z. B. die Dire Straits, The Police, Orchestral Manoeuvres in the Dark, Paul McCartney oder Phil Collins. Viele dieser Künstler nahmen am 15. September 1997 in der Londoner Royal Albert Hall am Benefizkonzert Music for Montserrat zugunsten der Insel teil. Nach der Zerstörung durch Hurricane Hugo 1989 wurde die Zweigstelle nach London (Lyndhurst Hall) verlegt.

Der 1954 auf Montserrat geborene Musiker Arrow (eigentlich Alphonsus Celestine Edmund Cassell) nahm 1983 den Song Hot Hot Hot auf, der zur heimlichen Nationalhymne von Montserrat wurde.

Ian Anderson, Frontmann der Band Jethro Tull, verarbeitete Ereignisse in Montserrat im gleichnamigen Song auf seinem dritten Soloalbum („Secret language of birds“).

In Harris auf Montserrat wurde der Dichter und Dramatiker E. A. Markham (1939–2008) geboren, der seit 1956 überwiegend in England lebte. Mit dem Caribbean Theatre Workshop tourte er 1970–1971 durch die anglophone Karibik.

Cricket ist die beliebteste Sportart auf Montserrat. Montserrat ist eines der Gebiete, das mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bildet, eine der „Nationalmannschaften“ im internationalen Cricket im Test Cricket, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an jedem Cricket World Cup teil und gewann die ersten beiden Austragungen, den Cricket World Cup 1975 und den Cricket World Cup 1979.

Montserrat ist eigenständiges Mitglied der FIFA und der CONCACAF und nimmt mit einer Montserratischen Fußballnationalmannschaft an deren Wettbewerben teil. In der Regel verliert Montserrat sehr hoch und steht traditionell auf einer der letzten Positionen der FIFA-Weltrangliste. Ein Porträt des Fußballs auf Montserrat bietet der Dokumentarfilm The Other Final. Er schildert das im Jahre 2002 parallel zum WM-Finale stattfindende Länderspiel gegen die Bhutanische Fußballnationalmannschaft, den damaligen Vorletzten der FIFA-Weltrangliste. Montserrat verlor das Spiel in Bhutan mit 0:4.

Landesteile:
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Kronbesitzungen:
Guernsey | Isle of Man | Jersey

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1liegt auf dem südamerikanischen Festlandssockel, wird aber politisch zu Nordamerika gezählt.

Vollmitglieder:
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Assoziierte Mitglieder:
Anguilla | Bermuda | Britische Jungferninseln | Cayman Islands | Turks- und Caicosinseln

Anguilla | Antigua und Barbuda | Britische Jungferninseln | Dominica | Grenada | Montserrat | St. Kitts und Nevis | St. Lucia | St. Vincent und die Grenadinen

Koordinaten: 16° 45′ N, 62° 12′ W

Little Bay, Montserrat
St. Peter (rot), St. Georges (grün), St. Anthony (türkis)