Miguel de Cervantes

Miguel de Cervantes Saavedra [miˈɣel de θeɾˈβantes saːˈβeðɾa] (* vermutlich 29. September 1547 in Alcalá de Henares, getauft am 9. Oktober 1547 in Alcalá de Henares;[1]22. oder 23. April 1616[2] in Madrid) war ein spanischer Schriftsteller. Der Autor des Don Quijote gilt als Spaniens Nationaldichter.

Miguel de Cervantes Saavedra wurde als drittes von sieben Kindern einer verarmten adeligen Familie in Alcalá de Henares geboren. Seine Eltern waren Rodrigo de Cervantes (1509–1585), ein Wanderchirurg, und Leonor de Cortinas (1520–1593).

Der junge Cervantes studierte Theologie an den Universitäten von Salamanca und Madrid.

Miguel de Cervantes führte ein sehr abenteuerliches Leben. Nach einjährigen Studien bei dem Humanisten Juan López de Hoyos (1511–1583) in Madrid, bei denen er die Schriften des Aristoteles und die des Erasmus von Rotterdam kennenlernte, zog er 1569 zunächst nach Rom, möglicherweise auf der Flucht vor der spanischen Justiz. Laut einer königlichen Verfügung aus dem Jahr 1569 sollte ein Mann namens Miguel de Cervantes festgenommen werden, der angeklagt war, einen gewissen Antonio Sigura bei einem Duell verletzt zu haben. Es ist möglich, aber nicht sicher, dass es sich dabei um den späteren Dichter Cervantes handelte.

In Rom trat er, wahrscheinlich 1569, als Kammerdiener in die Dienste von Kardinal Giulio Acquaviva (1546–1574) ein. Die italienischen Erfahrungen hinterließen vor allem in seinem Novellenwerk deutliche inhaltliche und stilistische Spuren. Noch im gleichen Jahr trat er als unvermögender Hidalgo, dem kaum andere Karrierewege offenstanden, in eine in Neapel stationierte Einheit der spanischen Marine ein. Als Mitglied der Infantería de Marina nahm er 1571 an der Schlacht von Lepanto teil, in der Juan de Austria, der Cervantes seine soldatischen Talente später bescheinigte, gegen die Türken kämpfte. Er erhielt drei Schusswunden, zwei in der Brust, eine in den linken Arm bzw. Unterarm, wodurch seine linke Hand dauerhaft gelähmt[3][4] blieb und er den Beinamen el manco de Lepanto (der Einhändige von Lepanto) bekam. In einer Anspielung auf seinen Erfolg mit dem Don Quijote schrieb er später in der Geschichte Viaje del Parnaso, er habe „die Fähigkeit, seine linke Hand zu bewegen, zum Ruhme seiner rechten verloren“.

Nach weiteren Jahren in der spanischen Marine trat Cervantes im September 1575 die Heimreise an Bord der Galeere Sol an. Als sich das Schiff bereits der katalanischen Küste näherte, wurde es von algerischen Korsaren angegriffen. Nach einem verlustreichen Kampf wurden die überlebenden Passagiere gefangen genommen und als Sklaven nach Algier verschleppt. Erst nach fünf Jahren und vier erfolglosen Fluchtversuchen konnte Cervantes 1580 durch den Trinitarier-Orden freigekauft werden und kehrte am 19. September nach Spanien zurück.

Im Jahre 1580 sah sich der spanische König Philipp II. nach dem Tod des Kardinalkönigs Heinrich I. (port. Henrique I, span. Enrique I) aus dem Hause Avis als Thronerbe des Königreiches Portugal und setzte seinen Anspruch noch im Sommer des gleichen Jahres militärisch gegen den selbsternannten Gegenkönig Antonio von Crato durch. Cervantes nahm zwischen dem Jahr 1580 bis 1582 als Soldat an den Kriegszügen Spaniens nach Portugal und auf die Azoren teil.

In seinem ersten, in den 1580er Jahren ohne größere Beachtung aufgeführten und erst 1615 veröffentlichten Theaterstück Los tratos de Argel verarbeitete er seine Erfahrungen aus der Gefangenschaft. Er war hoch verschuldet und versuchte schließlich, sich als Schriftsteller zu etablieren und so etwas Geld zu verdienen. 1585 erschien sein erster Roman La primera parte de la Galatea (die erste Übersetzung ins Deutsche erfolgte unter dem Titel Der Galatea Erster Teil durch Felix Schnurrmann bereits 1588). Ein Jahr zuvor hatte er die 18 Jahre jüngere Catalina de Salazar y Palacios geheiratet, Tochter eines wohlhabenden Bauern. Diese Verbindung blieb kinderlos, doch hatte er aus einer Affäre mit der Schauspielerin Ana Franca de Rojas eine Tochter, Isabel de Saavedra. Ende der 1580er Jahre trennte er sich von seiner Frau.

1585 arbeitete er als Steuereintreiber. Da die Bauern nur leere Scheunen vorweisen konnten und er sich auch am Kircheneigentum vergriff, wurde er von einem Inquisitionsgericht exkommuniziert. Im Mai 1590 bewarb er sich schriftlich für den vakant gewordenen Gouverneursposten der mittelamerikanischen Provinz Soconusco; sein Gesuch wurde jedoch abschlägig beschieden. Danach arbeitete er unter anderem als „Versorgungskommissar der Marineverwaltung“ und verbrachte 3 Monate wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern 1597/98 im Gefängnis von Sevilla in Untersuchungshaft. Ein zweiter Gefängnisaufenthalt 1602 ist nicht eindeutig erwiesen.[5]

Dort begann er mit der Arbeit an seinem bedeutendsten Werk El ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha (Der sinnreiche Junker Don Quijote von La Mancha), dessen erster Teil 1605 erschien. Den zweiten Teil veröffentlichte er 1615. Zwischen den beiden Teilen entstanden 1613 Cervantes' Novelas ejemplares, die im Deutschen mit Exemplarische Novellen übersetzt werden. 1616 vollendete er den Roman Los Trabajos de Persiles y Sigismunda (Ed. Madrid 1617). Im Juli 1613 trat Cervantes der säkularen franziskanischen Bruderschaft bei[6] .

Don Quijote brachte zwar den ersehnten Erfolg, doch verlor Cervantes das dadurch gewonnene Geld wieder.

Im Frühjahr 1616 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends. Am 2. April, als er bereits sein Haus nicht mehr verlassen konnte, legte er das endgültige Gelübde der Franziskanischen Gemeinschaft ab.[7] Er starb verarmt am 22. April 1616 in Madrid. Am darauffolgenden Tag wurde er im Konvent der barfüssigen Trinitarierinnen beerdigt, weshalb dieses Datum lange als sein Todestag galt.[2]

Cervantes wurde auf dem Gelände des Klosters der Unbeschuhten Trinitarierinnen im Literatenviertel der Stadt begraben.[8] Seine Grabstätte wurde bei Umbauten der Kirche im 17. Jahrhundert abgeräumt und umgebettet. Nach den sterblichen Überresten wurde seit 2014 von einem spanischen Forscherteam systematisch gesucht.[9]

Anfang 2015 – ein Jahr vor Cervantes’ 400. Todestag – wurde gemeldet, Wissenschaftler hätten in einer Grabnische einen Sarg mit den Initialen „M. C.“ des Autors gefunden.[10] Am 17. März erklärten die Forscher, sie hätten das Grab identifiziert.[11] Da Cervantes’ Gebeine zusammen mit denen anderer Personen bestattet worden waren, sei derzeit eine individuelle Zuordnung der Knochen nicht möglich. Man wolle eventuell eine DNA-Analyse durchführen, allerdings hat Cervantes heute keine bekannten Nachfahren mehr.[12][13]

Bei der Identifizierung einzelner Gebeine waren auch bekannte Verletzungen, die sich Cervantes zugezogen hatte, hilfreich, wie die Verletzung seiner linken Hand im Alter von 24 Jahren und mindestens eine Schusswunde an der Brust.

1613 wurden die Novelas ejemplares veröffentlicht. Es handelt sich um eine Sammlung von zwölf Novellen. Die Sammlung wurde zum großen Erfolg und erfuhr seit ihrer Erstveröffentlichung unzählige Editionen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Cervantes sieht sich als erster, der die Gattung der Novelle in der spanischen Literatur anwendet. In seinem Vorwort unterstreicht er, dass im Unterschied zu seinen Novellen die übrigen in Spanien verbreiteten 'Novelas' nur Übersetzungen und Nachahmungen ausländischer Vorlagen seien. Doch beziehen sich die Novellen auch auf Ereignisse in Cervantes' Leben. Die Exemplarität seiner Novellen ist in zweierlei Hinsicht gegeben. Zum einen besteht sie in der Vorbildhaftigkeit im moralischen Sinne und zum anderen kann eine Vorbildhaftigkeit in Bezug auf die literarische Form angenommen werden. Obwohl er seine Novellen zur Unterhaltung schrieb, betonte Cervantes in seinem Vorwort die absolute Vorbildhaftigkeit seiner Novellen. Er schwor, sich die Hand abzuhacken, falls jemand keine moralische Belehrung in einer seiner Novellen finden sollte. Darin lag eine gewisse Ironie: In einer Schlacht wurde Cervantes' Arm verletzt, so dass er gar nicht fähig gewesen wäre, sich selbst eine Hand abzuhacken.

Unterhaltung und moralische Unterweisung finden in den Exemplarischen Novellen zugleich ihren Ausdruck. In der Literatur werden die 12 Novellen häufig in zwei Gruppen eingeteilt:

Verschiedene Einflüsse werden den Novelas ejemplares zugeordnet. So zum Beispiel des Theaters des Goldenen Zeitalters (insbesondere in der Dialogführung), des humanistischen Dialogs, des Ritter- und Schäferromans, sowie des pikaresken Romans. Der Einfluss seiner italienischen Vorläufer, vor allem des Giovanni Boccaccio, ist jedoch umstritten, auch wenn er in Bezug auf Erzähltechnik und Wirklichkeitsdarstellung von Boccaccio, Bandello und Cinthio lernen konnte.

Nach Cervantes wurde das Kulturinstitut Instituto Cervantes sowie der Cervantespreis, der wichtigste Literaturpreis der spanischsprechenden Welt, benannt. Auch mehrere Theater tragen seinen Namen. Die 10-, 20- und 50-Cent-Münzen der spanischen Euromünzen tragen eine Cervantes-Abbildung.

1877 wurde ihm in Valladolid ein Denkmal gesetzt.

Nach Miguel de Cervantes wurde der Merkurkrater Cervantes benannt.

2015 benannte die IAU den Stern µ Arae nach Cervantes. Die 2000–2006 entdeckten Planeten wurden nach Figuren aus dem Don Quixote benannt.

Die internationale Cervantes-Literatur ist kaum überschaubar; eine Bibliographie von Einzeldarstellungen würden den Rahmen eines Enzyklopädieartikels sprengen. Daher werden hier nur einige deutschsprachige Biographien zur Einführung sowie die wichtigsten Bibliographien genannt:

Vincent Sherman inszenierte 1967 mit Cervantes – Der Abenteurer des Königs eine Filmbiografie, die auf dem Roman Cervantes des deutschen Schriftstellers Bruno Frank basiert. In der als Historienfilm konzipierten spanisch-italienisch-französischen Co-Produktion spielte Horst Buchholz die Titelrolle.

Ein Porträtbild, von dem angenommen wurde, dass es Cervantes zeigt. Es gibt allerdings kein Porträt von Cervantes, dessen Authentizität gesichert ist.
Cervantes Signatur
Kirche, in der er getauft wurde, Alcalá de Henares
Wahrscheinliches Geburtshaus von Cervantes in Alcalá de Henares
Cervantes-Skulptur in Madrid (Teil des Cervantes-Denkmals)
Titelblatt des Don Quixote, 1605
In diesem Kloster wurde Cervantes bestattet
Titelblatt der Novelas ejemplares, 1613
Miguel de Cervantes Saavedra (Retratos de Españoles Ilustres, 1791)
Cervantes-Denkmal in Madrid