Johann Hübner

Johann Hübner (* 17. März 1668 in Türchau; † 21. Mai 1731 in Hamburg) war ein deutscher Lehrer, Autor von Schulbüchern und Schriftsteller auf den Gebieten der Genealogie, Geographie, Geschichte, Poetik und der evangelischen Religionspädagogik in der Frühzeit der Aufklärung.

Im Alter von 10 oder 11 Jahren wurde Hübner an das Alte Gymnasium in Zittau gegeben. Dem dort seit 1678 als Rektor tätigen Christian Weise, bei dem er auch einige Jahre wohnte, hatte er nach eigenem Bekunden viel zu verdanken.

Seit 1689 studierte er in Leipzig Philosophie, Geschichte und Evangelische Theologie. Dort wurde er 1691 Magister und hielt eigene Vorlesungen in den Fächern Poetik, Rhetorik, Geographie und Geschichte. Seine Dissertation legte er 1694 vor. Im selben Jahr wurde er zum Rektor des Domgymnasiums zu Merseburg ernannt. 1695 heiratete er Anna Sybilla, eine Tochter des Leipziger Theologieprofessors Johannes Olearius († 1713), mit der er drei Töchter und zwei Söhne hatte. Von 1711 bis zu seinem Tod war er Rektor des Johanneums in Hamburg.

1719 heiratete eine seiner Töchter den Verleger Johann Gottlieb Gleditsch, der eine Reihe seiner Werke veröffentlichte. Sein einziger überlebender Sohn Johannes wurde Jurist in Hamburg und bearbeitete u. a. Neuauflagen der Werke seines Vaters.

Hübner war ein Vertreter der katechetischen Lehrmethode und verfasste daher einen Teil seiner Werke im Frage-Antwort-Wechsel. Seine Kurtze Fragen aus der alten und neuen Geographie war das erste Schulbuch der Geographie und bahnte diesem Fach den Weg in den Unterricht. So wurde es z. B. auch in den Unterricht der Franckeschen Stiftungen eingeführt und 1712 wurde der Nicolai-Schule in Leipzig vom dortigen Rat ein Exemplar des Werkes zur Benutzung im Unterricht geschenkt.

Schon in seiner Vorrede zum Zeitungslexikon (s. u.) von 1704 hatte Hübner den Wunsch geäußert, dass es bald auch geeignete Atlanten geben müsse, die die Zeitungslektüre und den Unterricht ergänzten. Er suchte daher die Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Kartographen Johann Baptist Homann. Der 1710 bei Homann erschienene Kleiner Atlas scholasticus von 18 Charten war accomodirt durch Johann Hübner. In seinem Museum geographicum befasste er sich 1712 mit der Frage, wie aus den bereits gedruckten Karten kleine oder große Atlanten hergestellt werden könnten. Der 1719 herausgebrachte Atlas methodicus… oder Methodischer Atlas war ein Ergebnis dieser Bemühungen und nach Hübnerischer Lehrart eingerichtet.

Berühmt wurde Hübner durch die Vorrede, die er für das 1704 bei Gleditsch erschienene Reales Staats- und Zeitungs-Lexicon verfasste. Da der Bearbeiter des Lexikons erst in der Auflage von 1777 genannt wurde, wurde es unter seinem Namen bekannt. Das Werk war das erste Konversationslexikon (seit 1708 so genannt) und erlebte 31 Auflagen bis 1828. Ebenso schrieb er eine Vorrede für das 1712 als Ergänzung des Conversations-Lexicons von Paul Jacob Marperger zusammengestellte Curieuse Natur-Kunst-Gewerk und Handlungs-Lexicon.

Hübner erarbeitete darüber hinaus genealogische Tabellenwerke, die viel benutzt wurden und ebenfalls eine Reihe von Neuauflagen erlebten.

Eine außerordentliche Verbreitung fanden seine Biblischen Historien, eine Kinderbibel, die er für den Gebrauch in Schulen und in der häuslichen Erziehung zusammenstellte. Die Bibeltexte ergänzte er durch deutliche Fragen, nützliche Lehren und gottselige Gedanken, die das Einprägen der Geschichten erleichtern sollten. Das Werk erlebte bis 1870 (bzw. 1902) über 200 Nachdrucke und Neubearbeitungen, sowie Übersetzungen in fünfzehn europäische Sprachen. Für fast ein Jahrhundert war es eins der wichtigsten Schulbücher, nicht nur für den Religionsunterricht. Nachdrucke erschienen sogar in den USA.

Johann Hübner, Kupferstich von Johann Kenckel ()
Hübners Conversations-Lexicon, Titelseite der Ausgabe von 1759