Johann Christoph Wagenseil

Johann Christoph Wagenseil (* 26. November 1633 in Nürnberg; † 9. Oktober 1705 in Altdorf) war ein deutscher Polyhistor, Rechtsgelehrter und Orientalist.

Er studierte an der – im Jahre 1622 anerkannten – Universität Altdorf. Als Hofmeister und Erzieher der Prinzen war er für verschiedene adlige Familien in Bayern und Österreich in den Jahren 1654 bis 1667 tätig und unternahm mit seinen Schülern Bildungsreisen durch Europa und in den Vorderen Orient. In Amsterdam erwarb er im Jahr 1666 die ersten seiner hebräischen Bücher, die den Grundstock seiner umfangreichen Bibliothek bilden sollten.

Im selben Jahr (1666) veröffentlichte er in Paris, zusammen mit dem königlichen Historiker Adrien Valois, die Dissertationes de Cena Trimalcionis nuper sub Petronij nomine vulgata. Darin argumentierte er u. a. damit, dass die von ihm in der Cena des Petronius festgestellten Hebraismen gegen die Echtheit des unlängst in Trau wiederentdeckten Fragmentes sprächen.

Zum Doktor der Rechte promovierte er an der Universität Orléans und wurde daraufhin im Jahre 1667 zum ordentlichen Professor für Geschichte und öffentliches Recht an die Universität in Altdorf berufen. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Größeren Rates von Nürnberg. Den Lehrstuhl für Orientalistik an der Universität Altdorf übernahm er im Jahr 1674, im Jahr 1697 wurde ihm der Lehrstuhl für Kanonisches Recht übertragen.

Bekannt wurde er vor allem durch sein 1697 als Anhang zu einer Geschichte der Stadt Nürnberg veröffentlichtes Buch Von der MeisterSinger holdseligen Kunst. Dieses nutzte später Richard Wagner als wichtigste Quelle seiner monumentalen Oper Die Meistersinger von Nürnberg.

Außerdem betätigte er sich an der Universität Altdorf als einer der ersten Hebraisten. Als Lehrer für Hebräisch und Jüdische Literatur beschäftigte er Beer Perlhefter, der später eine wichtige Rolle im Sabbatianismus spielte. Dessen hochgebildete Frau Bella Perlhefter sollte Wagenseils Tochter Helena Sybilla im Zitherspiel und Tanz unterrichten. Wagenseil verfasste einige Schriften zur Verteidigung der Juden, übersetzte aber auch im Jahr 1681 mit den Tela Ignea Satanae (Die Feuerpfeile des Satans) eine Sammlung antichristlicher hebräischer Schriften ins Lateinische. Darin enthalten ist auch eine polemische Geschichte Jesu Christi, der Libellus Toldos Jeshu. Dort wird in Anlehnung an den römischen Philosophen Celsus behauptet, Jesus sei der Sohn eines römischen Legionärs namens Pandira und einer Hure.

Wichtig ist sein Beitrag zur Geschichte der Enzyklopädie, die Pera librorum juvenilium von 1695. Bei dieser handelte es sich um eine Sammlung des damals verbindlichen Schulwissens; frei übersetzt lautet der Titel Rucksack mit Büchern für die Jugend. Berühmt ist seine umfangreiche Sammlung insbesondere alter hebräischer Quellen.

Originell ist seine Erfindung eines Gerätes zur Rettung aus Seenot, der sogenannten Hydraspis.

Johann Christoph Wagenseil zeichnete sich vor allem durch seine dialogbereite und offene Haltung gegenüber dem Judentum aus, was damals eine Ausnahme darstellte.

Seine umfangreiche Bibliothek vermachte er der Universität Altdorf und der Ratsbibliothek der Stadt Leipzig, die seit 1832 Stadtbibliothek Leipzig heißt. Da die Altdorfer Universitätsbibliothek im Jahre 1808 aufgelöst wurde, überführte man Wagenseils Bücher im Jahr 1818 in die Universität Erlangen, wo sie in den vorhandenen Buchbestand integriert wurden. Seine legendäre Bibliothek war damit nicht mehr auffindbar. Hermann Süß gelang es in den 1990er Jahren, die Bibliothek von Wagenseil anhand des kurz zuvor entdeckten Verkaufskatalogs nahezu vollständig zu rekonstruieren. Seine Büchersammlung bestand aus circa 300 Bänden, von denen etwa 150 in hebräischer Sprache verfasste Bücher von Juden für Juden waren. Weitere 55 Bände wurden von christlichen Hebraisten verfasst und 95 Bände waren philologische Literatur in den Sprachen Syrisch, Persisch, Äthiopisch, Arabisch, Griechisch und Japanisch.

Seine gebildete Tochter Helena Sibylla Wagenseil (* 1669; † 1735) heiratete den Nürnberger Professor für Geschichte und Metaphysik Daniel Wilhelm Moller.

Er ist nur entfernt verwandt mit Georg Christoph Wagenseil (* 1715; † 1777), einem sehr bekannten Komponisten in Wien, der lange für den Kaiserhof arbeitete und Lehrer von Johann Baptist Schenk war.

Gleiches gilt für den Schriftsteller Christian Jacob Wagenseil (* 1756; † 1839).[1]

darin die Einzelwerke:

Johann Christoph Wagenseil
Exlibris des Johann Christoph Wagenseil