Jean-Baptiste le Rond d’Alembert

Jean-Baptiste le Rond ['ʒɑ̃ ba'tist lə ʁɔ̃ dalɑ̃'bɛːʁ], genannt D’Alembert, (* 16. November 1717 in Paris; † 29. Oktober 1783 ebenda) war ein französischer Mathematiker, Physiker und ein Philosoph der Aufklärung. Gemeinsam mit Denis Diderot war er Herausgeber der Encyclopédie.

D’Alembert war der außereheliche Sohn des Duc d'Arenberg (1690–1754)[1] und der Marquise de Tencin (1682–1749), die als Salonnière bekannt wurde. Seine Mutter ließ ihn auf den Stufen der nördlichen Seitenkapelle St-Jean-le-Rond von Notre Dame de Paris aussetzen. Pierre Guérin de Tencin war ein Onkel, der als römisch-katholischer Kardinal zunächst Erzbischof von Embrun (1724–1740), später von Lyon (1740–1758) war.

D’Alembert wurde auf Betreiben des Generals Louis Camus Destouches (1668–1726) von Madame Rousseau, geborene Etiennette Gabrielle Ponthieux (ca. 1683–1775), der Frau des Glasermeisters Alexandre Nicolas Rousseau,[2] als Findelkind adoptiert; er blieb dort bis zum Alter von 48 Jahren. Der leibliche Vater ermöglichte ihm jedoch eine umfassende Erziehung und Ausbildung.

Mit zwölf Jahren trat er in das Collège des Quatre Nations ein und schloss es 1735 mit dem baccalauréat en arts ab. Später schrieb er sich an der École de Droit unter dem Familiennamen Daremberg ein, den er später in d'Alembert änderte. Er studierte zuerst Rechtswissenschaft, dann Medizin, ehe er sich endgültig autodidaktisch der Mathematik und Physik zuwandte. Sein mathematisches Hauptwerk waren seine Opuscules mathématiques in neun Bänden. D’Alembert interessierte sich unter anderem auch für Musik. Er veröffentlichte 1752 die Éléments de la musique théorique et pratique (Elemente der theoretischen und praktischen Musik) und zwei Jahre später Réflexions sur la musique en général et sur la musique française en particulier (Überlegungen zur Musik im Allgemeinen und zur französischen Musik im Besonderen).

Seine Bekanntheit verschaffte ihm Zugang zu den Pariser „Salons“. Er war Stammgast bei Madame de Deffand und Julie de Lespinasse, mit der er von 1764 an zusammen lebte. Dort lernte er den Marquis de Condorcet und David Hume kennen.

D’Alembert war gemeinsam mit Denis Diderot Herausgeber der Encyclopédie, des monumentalen Werks im Zeitalter der Aufklärung. Der Buchhändler André Le Breton beauftragte ihn und Diderot, die Cyclopaedia von Ephraim Chambers zu übersetzen. Daraus entwickelte sich das Projekt der Encyclopédie, das sehr aktiv von Voltaire unterstützt wurde. Mit ihm schloss er eine enge Freundschaft, die durch eine rege Korrespondenz unterhalten wurde.

Seine Beiträge zur Encyclopédie, die zwischen 1751 und 1780 erschien, waren vielfältig. Er schrieb den Discours préliminaire im ersten Band, eine Art „Manifest der Aufklärung“, das ihn weltberühmt machte. Außerdem verfasste er für das Werk mehr als 1700 encyclopädische Artikel, überwiegend aus dem Bereich der Naturwissenschaften. Er war es auch, der durch polemische Vorworte und wichtige Artikel wie Dictionnaire oder Genève (Genf) die ideologische Richtung des Werkes vorgab.

D’Alembert führte Briefverkehr auch mit „aufgeklärten Herrschern“ wie Friedrich II. von Preußen und der russischen Zarin Katharina der Großen. Doch sein Misstrauen gegenüber den Herrschenden war immer wach. In seinem Essai sur la société des gens de lettres et des grands (Essay über die Gesellschaft der Literaten und der Großen) von 1759 ruft er die Intellektuellen auf, sich von ihrer erniedrigenden Rolle als Höflinge der adligen Mäzene zu befreien. D’Alembert war auch ein glänzender Tacitus-Übersetzer. Er war sowohl Mitglied bzw. Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften[3] (Petersburg, 1764), der Preußischen Akademie der Wissenschaften,[4] der American Academy of Arts and Sciences (1781), der Académie des sciences als auch der Académie française, deren Generalsekretär auf Lebenszeit er 1772 wurde. Er war Mitglied der Pariser Freimaurerloge Les Neuf Sœurs.[5]

D’Alembert starb am 29. Oktober 1783 im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Harnblasenkrankheit.

1970 wurde ein Mondkrater sowie der Asteroid (5956) D’Alembert nach ihm benannt.[6]

Nach ihm ist das D’Alembertsche Prinzip der Mechanik benannt. Das d’Alembertsche Prinzip der klassischen Mechanik erlaubt die Aufstellung der Bewegungsgleichungen eines mechanischen Systems mit Zwangsbedingungen.[7]

Er arbeitete auf dem Gebiet der Funktionentheorie, löste 1747 die heute nach ihm benannte (eindimensionale) Wellengleichung der schwingenden Saite und wurde so der Begründer der mathematischen Kontinuumsphysik. Ebenso geht der D’Alembertsche Operator auf ihn zurück, mit dem sich die Wellengleichung besonders kompakt schreiben lässt. D’Alembert arbeitete auch auf dem Gebiet der Konvergenz von Reihen und fand das Quotientenkriterium, das nach ihm auch D’Alembert-Kriterium genannt wird. Wichtig ist hierbei das Reduktionsverfahren von d’Alembert. Weitere Arbeiten galten der Wahrscheinlichkeitsrechnung; ein populäres, freilich unbrauchbares Spielsystem für das Roulettespiel, die Progression d’Alembert, wird ihm zugeschrieben.[8][9]

Mit Friedrich II. von Preußen stand er seit dem Jahre 1746 in Briefkontakt; dabei war die Initiative zum postalischen Gedankenaustausch von d’Alembert ausgegangen.[10] Anlass hierzu gab das von der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften ausgesetzte Preisausschreiben, zu dem d’Alembert die Schrift Réflexions sur la cause générale des vents verfasste. Mit ihr war er auch bestrebt, in die Berliner Akademie als Mitglied aufgenommen zu werden. Pierre-Louis Moreau de Maupertuis beriet ihn bei seinem Vorhaben, und so verfasste er zu seiner Schrift in lateinischer Sprache ein Widmungsgedicht an den preußischen König.[11] Doch blieb die direkte Antwort Friedrichs II. aus, vielmehr antwortete an dessen statt Jean-Baptiste de Boyer, Marquis d’Argens. Als d’Alembert im Jahre 1751 seinen Discours préliminaire de l'Encyclopédie[12] publiziert hatte, wurde Friedrich II. auf ihn aufmerksam. Der preußische König bot d’Alembert eine Position als Präsident der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften an, und obgleich d’Alembert zeitweise unschlüssig war, ob er seinen Lebensmittelpunkt nach Preußen verlegen sollte, nahm er von dem Angebot Abstand.[13] Für sein von Friedrich sehr hochgeschätztes Lebenswerk erhielt d'Alembert dennoch ab 1754 eine preußische Pension von 1200 livres. Im Sommer des Jahres 1763 reiste d'Alembert zu einem dreimonatigen Aufenthalt auf Schloss Sanssouci. Während seines Potsdamaufenthaltes besuchte er Leonhard Euler in Berlin. Euler war 1741 von Friedrich II. an die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften berufen worden, die er 1766 verließ und zurück nach St. Petersburg ging, wo Katharina die Große seit 1762 als Kaiserin von Russland residierte. In seinem Verhältnis zu Friedrich II. unterschied sich d’Alembert von Diderot, der spätestens ab dem Siebenjährigen Krieg (aus preußischer Sicht auch als Dritter Schlesischer Krieg bezeichnet) eine Antipathie gegen den friderizianischen Staat und dessen ersten Repräsentanten hegte.

Zum Ende des Jahres 1757 und Anfang 1758 erlebte die Encyclopédie unter der Herausgabe von Denis Diderot und d’Alembert eine schwere Krise. Ursache hierfür waren die von d’Alembert nach Anregung von Voltaire verfassten Artikel über die Stadt Genf. Der Eintrag zog umfangreiche Diskussionen und zahlreiche Protestbriefe nach sich und entzweite die zum Teil schon angestrengte Beziehung beider Herausgeber schließlich.[14]

1824 erschien in einer Reihe von Medaillen zum Gedenken französischer Staatsmänner auch eine für D'Alembert.

Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Porträt von Maurice Quentin de La Tour, 1753 Unterschrift d’Alemberts
Seine leibliche Mutter Claudine Guérin de Tencin
französische Medaille für D'Alembert aus dem Jahr 1824