Index für wirtschaftliche Freiheit

Der Index für wirtschaftliche Freiheit[1] (englisch Index of Economic Freedom) ist ein volkswirtschaftlicher Indikator. Er wird seit 1995 jährlich durch die Heritage Foundation und das Wall Street Journal berechnet und dient der Beurteilung wirtschaftlicher Freiheit.

Die Erhebung des Index beruht auf folgenden Säulen:

Rechtsstaatlichkeit

Rolle des Staates in der Wirtschaft

Effizienz der Regulierung

Offene Märkte

Der Index für wirtschaftliche Freiheit geht davon aus, dass sich Freiheitsbeschränkungen negativ auf den ökonomischen Wohlstand auswirken. Bezug nehmen die Ersteller dabei auf ihre Interpretation von Adam Smiths Ideen aus Der Wohlstand der Nationen. Mögliche „produktive Freiheitsbeschränkungen“ wie Transferzahlungen oder eine progressive Einkommensteuer, wie Erle, Leschke und Sauerland einwenden, werden nicht einbezogen.[2]

Der Index wird in mehreren Medien und von anderen (vor allem pro-marktwirtschaftlichen) Denkfabriken für ihre Beurteilungen von Ländern und Politikempfehlungen positiv rezipiert. Verwiesen wird dabei darauf, dass in dem Index tendenziell Länder mit mehr Freiheit auch wohlhabender sind. Teilweise hat der Index auch Erwähnung in ökonomischen Lehrbüchern[3] gefunden. Kritisch betrachtet wird der Index aufgrund seiner Kriterien, die libertäre (z. B. geringe Regulierung der Arbeit) mit allgemeiner positiv akzeptierten Standards (z. B. Korruptionsindex) mischen, von links. Matt Bruenig etwa wendet gegen einige Kriterien des Index ein, dass sich die Regulierungen verschiedener Länder kaum seriös in Form von Rankingzahlen wirklich vergleichen lassen.[4] Mit seiner Freiheitsdefinition stößt der Index teilweise jedoch auch unter anderen libertären Einrichtungen auf Kritik, so verweist Carson von der Foundation for Economic Education darauf, dass der Index Freiheit nur aus Sicht der Unternehmen und somit unzureichend betrachte (nicht z. B. Freiheit für Arbeiter). So werden im Index etwa sozialstaatliche Leistungen negativ beurteilt. Staatliche Interventionen wenn sie die Interessen von großen Unternehmen unterstützten, wie z. B. umfangreiche Patente, werden im Index hingegen als positiv für die Freiheit eingeschätzt.[5]

Ein statistischer Kritikpunkt ist, dass die Kriterien des Index teilweise selbst miteinander korrelieren, Dialga und Vallée (Universität Nantes) kamen 2015 in einer Überprüfung zu dem Schluss, dass der Index somit statistisch nicht valide ist.[6]

Bedeutung: ██ Frei (80–100) ██ Größenteils Frei (70,0–79,9) ██ Moderat Frei (60,0–69,9) ██ Größenteils unfrei (50,0–59,9) ██ Unterdrückt (0–49,9)

Index für wirtschaftliche Freiheit 2022