Hawaiische Sprache

Gesprochen in

24.000 (2008)[2]

haw

haw[1]

Die hawaiische oder hawaiianische Sprache[3] (Eigenbezeichnung ʻŌlelo Hawaiʻi)[4] ist die Sprache der polynesischen Ureinwohner der Hawaii-Inseln. Hawaiisch und Englisch sind die Amtssprachen des US-Bundesstaats Hawaii.[5] Hawaiisch weist mit 13 Phonemen sehr wenige bedeutungsunterscheidende Laute auf; nur wenige Sprachen haben noch weniger.

Das Hawaiische gehört zusammen mit den anderen polynesischen Sprachen, wie z. B. Samoanisch, Māori, Tahitianisch und Tonga, zur austronesischen Sprachfamilie. Es wird in die Untergruppe der marquesischen Sprachen eingeordnet.

Adelbert von Chamisso veröffentlichte in seinem Bericht „Über die Hawaiische Sprache“ vor der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin am 12. Januar 1837 die erste Grammatik des Hawaiischen.[6]

Die hawaiische Sprache ist vom Aussterben bedroht. Auf den meisten der Hawaii-Inseln wurde sie vom Englischen verdrängt und wird nicht mehr als Alltags- und Kommunikationssprache verwendet. Eine Ausnahme stellt die Insel Niʻihau dar, die sich in Privatbesitz befindet und deren Besuch streng reglementiert ist.

1900 sprachen noch 37.000 Menschen Hawaiisch als Muttersprache. Diese Zahl hat sich inzwischen auf 1000 Muttersprachler reduziert; die Hälfte von ihnen ist heute über 70 Jahre alt.

Die allmähliche Verdrängung der hawaiischen Sprache begann bereits mit dem sinkenden Anteil der Hawaiier an der Gesamtbevölkerung im 19. Jahrhundert. 1896 erklärte ein Gesetz Englisch zur Hauptsprache an allen öffentlichen und privaten Schulen (1896 Laws of the Republic of Hawaii, Act 57, sec. 30, 8. Juni 1896).[7] In den folgenden Jahrzehnten hielt diese Entwicklung an. Das 1957 erstmals erschienene Hawaiian-English Dictionary (Pukui/Elbert)[8] kann heute als ein Umkehrpunkt betrachtet werden. In den folgenden Jahren wuchs das Interesse an der hawaiischen Sprache auf verschiedenen Gebieten,[9] bis sie schließlich 1978 mit einer Ergänzung der Verfassung[10] in den Rang einer Amtssprache erhoben wurde. Mitte der 1980er Jahre wurde begonnen, ʻŌlelo Hawaiʻi an Vorschulen für Kinder zu unterrichten, deren Eltern die Sprache für die nächste Generation erhalten (oder wiedereinführen) wollen.[11] Im Rundfunk gibt es ein „Hawaiisches Wort des Tages“.[12] Zwischen 2006 und 2008 gaben mehr als 24.000 US-Staatsbürger in einer Volkszählung an, Hawaiisch im Alltag zu gebrauchen.[13]

Eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung des Hawaiischen spielt die genaue Wiedergabe der Laute in der Schriftsprache. Da die unterschiedliche Aussprache hawaiischer Wörter zu verschiedenen Bedeutungen führt, ist die Schreibung mit den diakritischen Zeichen ʻOkina und Kahakō eine wesentliche Voraussetzung zur Verwendung hawaiischer Namen und Begriffe.[14][15]

Auswirkungen hat diese Wiederbelebung auch über den Bundesstaat hinaus. So wurden im Hawaiian National Park Language Correction Act of 2000 durch den Senat der Vereinigten Staaten die Nationalparks in Hawaiʻi umbenannt, wobei die Schreibung mit ʻOkina und Kahakō zum Gegenstand eines Bundesgesetzes wurde.[16]

Eine wichtige Rolle bei der Wiederbelebung der Sprache spielen auch der Hula und hawaiische Musiker wie zum Beispiel Gabby Pahinui und Israel Kamakawiwoʻole.

„Hawaiian Creole English“ (HCE; auch „Pidgin Hawaiian“ genannt, obwohl die Bezeichnung Pidgin von Linguisten nur für die erste Generation einer neuen Mischsprache gebraucht wird) ist eine örtlich gesprochene Mischung auf Basis des Englischen mit Lehnwörtern aus dem Hawaiischen und aus asiatischen Sprachen (vor allem Japanisch, Chinesisch und Tagalog), die entstand, als Einwanderer zur Arbeit auf den Zuckerrohr- und Ananasplantagen ins Land kamen und sich mit den einheimischen Plantagenarbeitern verständigen mussten. 1986 gab es noch 600.000 Sprecher des HCE, dessen stärkster Dialekt von Sprechern der englischen Standardsprache so gut wie nicht verstanden werden kann.

Das hawaiische Lautsystem zeichnet sich durch charakteristische Lautverschiebungen gegenüber anderen polynesischen Sprachen aus. Die wichtigsten sind *[k] zu hawaiisch [ʻ] (Glottalverschlusslaut ʻOkina), *[t] zu hawaiisch [k], *[r] zu hawaiisch [l] und *[ŋ] zu hawaiisch [n]. [w] ist als solches erhalten und nicht zu [v] geworden. Die Vokale haben keine Veränderung gegenüber dem „Gemeinpolynesischen“ erfahren.

Das hawaiische Alphabet, pīʻāpā genannt,[17] wurde im 19. Jahrhundert von US-amerikanischen Missionaren eingeführt.[18] Vor seiner Einführung gab es Hawaiisch nur in gesprochener Form.

Das hawaiische Alphabet basiert auf dem lateinischen Alphabet und besteht aus 12 Buchstaben der lateinischen Schrift und dem ʻOkina. Es ist damit eines der kürzesten Alphabete der Welt. (Das Rotokas-Alphabet hat einen Buchstaben weniger, die Pirahã-Sprache zwei.) Das Alphabet bildet die 13 Phoneme der Sprache klar ab. Die Buchstaben sind a, e, i, o, u, p, k, m, n, w, l, h. Der Buchstabe w wird manchmal auch als v geschrieben. Ein Makron (im Hawaiischen Kahakō genannt) über einem Vokal, wie bei ā, ē, ī, ō, ū, bedeutet, dass der Vokal lang gesprochen und die Silbe betont wird. Die Vokalfarbe ändert sich dabei nicht.

Für den Glottisverschlusslaut in der gesprochenen hawaiischen Sprache wurde zunächst kein Zeichen geschrieben. Daher erschien zum Beispiel die Buchstabenfolge aa im Ortsnamen Kapaa, obwohl vor dem letzten Vokal a der Glottisverschlusslaut gesprochen wird. Seit dem Erscheinen des Hawaiian-English Dictionary[8] setzt sich zunehmend die der Aussprache entsprechende, genaue Schreibweise mit ʻOkina durch (Kapaʻa). Ohne ʻOkina können viele Wörter verwechselt werden; so heißt pua „Blume“,[19] aber puʻa unter anderem „ausscheiden/absondern“.[20] ʻOkina wird heute zunehmend nicht als Symbol, sondern als vollwertiger Buchstabe angesehen.[21] Zum Beispiel wird auch das Wort Hawaii auf Hawaiisch Hawaiʻi geschrieben. Hier soll nach Überlieferung der Alten der Buchstabe k fehlen, der Ursprungsname ist als Hawaiki überliefert. Die beiden i werden also auch getrennt gesprochen. Ein anderes Beispiel ist das Wort Oʻahu (die bevölkerungsreichste Insel Hawaiʻis). Die Betonung liegt hier auf dem a, nicht auf dem u.

Die hawaiische Sprache besitzt mit nur 162 möglichen Silben den kleinsten Silbenvorrat aller Sprachen. Die Bedeutung mancher Wörter ändert sich mit der Silbenlänge: kane = Hautkrankheit, aber mit Längung der ersten Silbe kāne = Mann; mana = Macht oder Kraft, dagegen māna = gekaute Masse.[22]

Wie alle polynesischen Sprachen oder auch das Chinesische ist Hawaiisch eine isolierende Sprache. Das heißt, dass alle grammatikalischen Beziehungen durch Wortstellung und Partikeln ausgedrückt werden. Endungen gibt es nicht, und die Wörter verändern sich auch nicht anderweitig. Ausnahmen sind einige wenige Vorsilben und Nachsilben zur Wortbildung, insbesondere das Kausativ-Präfix hoʻo-, wie in hoʻonui = vergrößern, zu nui = groß und das Substantivierungs-Suffix -na, wie in ʻokina = "Trennungszeichen" (ʻOkina), zu ʻoki = abschneiden, trennen. Einige Wörter haben eigene Pluralformen, bei denen Vokale gedehnt werden, wie wāhine („Frauen“) zu wahine („Frau“). Im Allgemeinen wird der Plural aber nur durch die Artikel ausgedrückt.

Es gibt nur zwei Wortarten: Bedeutungswörter und Partikeln. Alle Bedeutungswörter können die Funktion von Substantiven, Adjektiven oder Verben haben, je nachdem, wo sie stehen und welche Partikeln ihnen vorausgehen. So steht im Satz

ʻōlelo für das Verb sprechen, markiert durch die Stellung am Satzanfang, aber in dem Satz

ʻōlelo für das Substantiv Sprache, markiert u. a. mit dem Artikel ka.

Ein grammatisches Geschlecht ist unbekannt. ia heißt er, sie und es.

Die normale Wortstellung im Satz ist Verb – Subjekt – Objekt. Sogenannte statische Verben entsprechen in der deutschen Sprache Adjektiven mit dem Hilfsverb "sein", z. B. Nui ka hale. - Das Haus ist groß.

Zu allen drei Teilen können Partikeln gehören, die den Satzteil bestimmen.

Zur Betonung können Satzteile wie im Deutschen vorangestellt werden. Sie werden dann regelmäßig mit dem Determinierer ʻo gekennzeichnet: ʻO au kou kaikuahine. - Ich bin deine Schwester. vs. ʻO kou kaikuahine au. - Deine Schwester bin ich.

Von Verben in unserem Sinn kann man im Hawaiischen nicht reden. Stattdessen gibt es Partikeln, die ein Bedeutungswort zum Verb machen. Diese Partikeln bestimmen gleichzeitig Zeit und Aktionsaspekt:

In der gesprochenen Sprache werden die Partikeln ua und e oft weggelassen.

Für das Passiv wird die Partikel ʻia dem Verb nachgestellt.

Hinter dem Verb können Partikeln stehen, die eine Richtung angeben, unter anderem wie deutsch her und weg. Diese Direktionalen sind:

Aʻe nach Eigenschaften steigert diese: maikaʻi = gut, maikaʻi aʻe = besser, am besten. Iho steht oft nach Verben, die Körperfunktionen ausdrücken und für unser Verständnis nicht reflexiv sind, wie essen (ʻai), trinken (inu) und denken (manaʻo).

Nach den Richtungspartikeln können noch Adverbiale stehen wie = sehr, = dort, dann; naʻe = jedoch, aber; ʻē = schon, paha = vielleicht, hoʻi = ziemlich, eigentlich, denn; oder wale = eben, halt.

Verneint wird mit aʻole = nicht. Die Partikel ua wird dabei durch aʻole i ersetzt:
ua hele ke kanaka (der Mann ging) → aʻole i hele ke kanaka (der Mann ging nicht).
Personalpronomen stehen zwischen aʻole und i: aʻole au i hele (ich ging nicht; au = ich)

Ein Wort für sein gibt es nicht. Sätzen, die Identität aussagen, haben kein Verb: he pahu kēia = eine Kiste das = "das ist eine Kiste".
In Sätzen, die eine Eigenschaft beschreiben, steht auf Deutsch sein + Adjektiv (z. B. "ist glücklich"). Im Hawaiischen wird stattdessen das Adjektiv als Verb verwendet: ua hauʻoli ʻoe = glücklich-st du = "du bist glücklich".

Ebenso fehlt ein Wort für haben. Statt "ich habe ein Auto" sagt man ein Auto (ist) mein = he kaʻa koʻu. (Zu Genitiven und Possessivpronomen siehe unten.)

Partikeln, die ein Wort als Nomen markieren, sind vor allem die Artikel:

ke steht vor Wörtern, die mit a, e, o oder k beginnen. Vor allen anderen Wörtern steht ka.

he mau wird nur verwendet, wenn man sonst Singular verstehen würde.

Grammatische Beziehungen werden durch weitere Partikeln ausgedrückt:

In allen polynesischen Sprachen gibt es einen Genitiv für "veräußerliche" Besitzverhältnisse (A-Genitiv, Genitiv 1), und einen für "unveräußerliche" Besitzverhältnisse (O-Genitiv, Genitiv 2). a und o heißen beide von. Der Unterschied ist, dass a ein Besitzverhältnis bezeichnet, das man willentlich begonnen hat und auch beenden kann (z. B. „mein Buch“), und o bedeutet, dass man etwas immer schon hatte (z. B. Körperteile), geerbt oder geschenkt bekam (z. B. ein Haus), oder dass es Orte sind (z. B. der Strand von Waikiki, ke kahakai o Waikīkī). Man sagt also ka maiʻa a Pua (Puas Banane), aber ka lima o Pua (Puas Hand).

Dies ist allerdings eine Faustregel. Ob man a oder o sagt, folgt einer eigenen Logik. Kleine, tragbare Gegenstände, wie Äpfel, Bücher oder Stifte verlangen fast immer a. Alles schwer Ersetzbare aus der traditionellen Kultur verlangt o, wie Häuser, Boote, Land, Häuptlinge, Vorfahren und Götter. Auch Sachen, die einen tragen oder umhüllen, verlangen o, wie Autos, Pferde, Stühle oder Kleider. Bisweilen sind beide möglich, aber mit verschiedener Bedeutung: ka mele a Pua = Puas Lied (das sie geschrieben hat), aber ka mele o Pua = das Pua-Lied (das Lied über / für Pua).

Dementsprechend gibt es auch zweierlei Possessivpronomen. Dein heißt kāu oder kou, je nach A- oder O-Genitiv.

Als "Präpositionen" zur Ortsangabe lassen sich höchstens die Partikeln i (ungefähr in), ma (genau in) und mai (aus) bezeichnen. Genauere Ortsangaben drückt man mit einem O-Genitiv aus: i loko o ka hale = "im Inneren des Hauses". Loko ("Inneres") funktioniert dabei als Substantiv. Wörter zur Ortsangabe sind:

Statt i wird auch ma verwendet, das man dann mit den Ortsangaben zusammenschreibt: maloko usw.

Bei den Pronomen kennt Hawaiisch einen Dual (eine Zweizahl) und ein inklusives und exklusives Wir:

Wegen des Duals und den beiden Sorten von wir gibt es vier mögliche Übersetzungen für den Satz Wir gehen nach Honolulu:

Wie unter „Zweierlei Genitive“ dargestellt, gibt es wegen der zwei Arten von Besitzverhältnissen im Hawaiischen auch zwei Sets von besitzanzeigenden Fürwörtern:

Die beiden Sets unterscheiden sich nur durch das a bzw. o in der ersten Silbe. Den Regeln für a- und o-Genitive entsprechend sagt man kāu maiʻa, kāu puke für deine Banane, dein Buch, aber kou lima, kou waʻa für deine Hand, dein Boot.

Außerdem gibt es die beiden „neutralen“ Formen kuʻu und ko für mein und dein. Kuʻu wird besonders für etwas verwendet, das man gernhat, z. B. kuʻu ipo „mein Schatz“.

Nach Zahlen, ʻehia (wie viel) und ʻaʻohe (kein) entfällt das Anfangs-k der Possessivpronomen: ʻEhia āu puke? (statt kāu puke): „Wie viele sind deine Bücher?“ = Wie viele Bücher hast du? – ʻEkolu aʻu puke (statt kaʻu puke): „Drei sind meine Bücher“ = Ich habe drei Bücher. Das Anfangs-k ist eigentlich der Artikel ka / ke, der mit a bzw. o und den Pronomen verschmolzen ist.

Wenn eine Mehrzahl ausgedrückt werden muss, kann man diese wie bei he mit mau bilden: kaʻu mau puke = meine Bücher.

Wie Spanisch hat das Hawaiische einen dreifachen Satz von hinweisenden Fürwörtern:

Der Unterschied zwischen den Formen mit K und ohne K ist in etwa der, dass man bei den Formen mit K darauf zeigen könnte und bei den ohne K nicht. Hinter K verbirgt sich wieder der Artikel ka / ke. Ia ist, wie oben beschrieben, auch das Wort für er, sie, es:

Die genauen Verwendungsregeln sind recht kompliziert. Wie bei den Possessivpronomen lässt sich bei Verwechslungsgefahr mit mau ein Plural bilden: kēia mau iʻa = diese Fische.

Weitere Demonstrativpronomen sind:

Die Fragepronomen sind wai = wer? und aha = was?. Fälle werden wie immer durch die Partikel angezeigt. Daher heißt wer? als Substantiv ʻo wai?, wessen? heißt a wai? oder o wai? (je nach dem), und wen? heißt iā wai?. Wie viel? heißt ʻehia?.

Die anderen Fragewörter werden mit hea (welches?, warum?) gebildet: