Hüftgelenk

Das Hüftgelenk (lateinisch Articulatio coxae ‚Gelenk der Hüfte‘, über frühneuhochdeutsch hüffte von althochdeutsch huffi, dem Plural zu huf, „Hüfte“,[1] die seitliche Körperpartie unterhalb der Taille) ist nach dem Kniegelenk das zweitgrößte Gelenk der Säugetiere. Der Oberschenkelknochen (Femur) und das Becken (Pelvis) bzw. das Hüftbein bilden dabei die knöchernen Gelenkpartner. Es ist vor allem bei den (menschlichen) Fortbewegungsarten des Gehens, bei dem es im Gegensatz zum Laufen keine Flugphase gibt, eingebunden.

Die Knochenpartner haben einen sehr engen Kontakt zueinander. Damit auch an den Kontaktflächen eine schmerzfreie und ungestörte Beweglichkeit des Hüftgelenkes stattfinden kann, sind sie (wie alle Gelenkflächen im Körper) mit einer sehr glatten, bläulich-weißlichen Knorpelschicht, dem so genannten hyalinen Knorpel, überzogen.

Der Oberschenkelknochen bildet am oberen Ende einen großen kugelförmigen Kopf (Caput femoris). Dieser stellt eine relativ regelmäßig gekrümmte Zwei-Drittel-Kugel mit einem Radius von durchschnittlich 2,5 Zentimetern dar. Lediglich der gelenknahe (proximale) Pol formt eine plane Fläche um die Einziehung des Oberschenkelknochenkopfes (Fovea capitis femoris), um die zu übertragende Last von einem Punkt auf einen Ring zu verschieben. Der Oberschenkelknochenkopf ist durchgehend von hyalinem Knorpel überzogen, weist in seinen Hauptbelastungszonen jedoch eine besonders ausgeprägte Schicht von etwa 2,5 bis 3,5 Millimetern auf. Zum Oberschenkelknochenhals (Collum femoris) hin nimmt die Dicke sukzessiv ab.

Am Aufbau des Gegenstückes, der Hüftgelenkpfanne (Acetabulum), sind alle drei Beckenknochen beteiligt: Das Dach wird vom Darmbein (Os ilium) gebildet, das Schambein (Os pubis) begrenzt vorne (ventral) und das Sitzbein (Os ischii) hinten-unten (dorsokaudal) den Rand des Beckens mit seiner Vertiefung, das so genannte Acetabulum („Essignäpfchen“).

Stellt man sich die Pfanne als hohle Halbkugel vor, beträgt ihr Radius beim Menschen je nach Körpergröße etwa 2,7 Zentimeter. Eine bogenförmige Faserknorpellippe (Labrum acetabuli bzw. Limbus acetabuli) geht jedoch stellenweise über den Äquator der Halbkugel hinaus und umgreift regelrecht den Oberschenkelknochenkopf. Daher spricht man beim Hüftgelenk auch von einem Nussgelenk (Sonderform des Kugelgelenkes). Zum Schambeinloch (Foramen obturatum) ausstrahlend ist die Pfannenlippe hingegen unterbrochen (Incisura acetabuli), sodass sie eine halbmondförmige Gestalt annimmt. Dieser unterbrochene Teil der Pfanne wird von einem Querband (Ligamentum transversum acetabuli) überbrückt.

Den Winkel, in dem der Oberschenkelknochenkopf in Bezug auf die schalenförmigen Vertiefung am seitlichen Rand des Beckenknochens steiler nach oben verschoben verläuft, nennt man Centrum – Collum – Diaphysen – Winkel (auch CCD-Winkel). Dieser beträgt beim Kind ungefähr 140°, beim Erwachsenen etwa 126° und beim alten Menschen rund 120°. Da das Hüftgelenk große Kräfte übertragen muss, ist für eine Beurteilung der Achsenverhältnisse zum Beispiel auch die Lage der Gelenkpfanne einzubeziehen. So haben Menschen mit steilen Gelenkpfannen physiologischer Weise auch größere CCD-Winkel. Bei pathologisch großen Werten für den CCD-Winkel liegt das klinische Bild des O-Beines (Coxa valga und Genu varum) vor (zum Beispiel bei Immobilität nach Muskellähmung), da die Körperlast keinen mechanischen Druck auf den Schenkelhals ausübt. Bei einer proportional zu großen Belastung des Oberschenkelknochenhalses kommt es zu einem X-Bein (Coxa vara und Genu valgum). Dies kann bei einer herabgesetzten Widerstandsfähigkeit und damit einer gesteigerten Nachgiebigkeit des Knochens (zum Beispiel bei Rachitis) der Fall sein.

Den Winkel, in dem der Oberschenkelknochenhals in Bezug auf die schalenförmige Vertiefung am seitlichen Rand des Beckenknochens nach vorne verschoben steht, nennt man Antetorsionswinkel. Dieser beträgt beim Kind ca. 30°, beim Erwachsenen ca. 12°. Hieraus resultieren Besonderheiten in der kindlichen Beinstellung (siehe: Najadensitz).

Der Hüftwert ist ein Maß für die Ausbildung der Pfanne des Hüftgelenkes, die Ausnutzung der Pfanne durch den Hüftkopf und dessen Lage im Hüftgelenk. Normal gelten beim Erwachsenen Werte bis 15.

Umhüllt wird das Hüftgelenk von der kräftigsten Gelenkkapsel des menschlichen Körpers, der straffen Hüftgelenkskapsel (Capsula articularis coxae). Sie wird über innerhalb der Kapsel gelegene Bänder stabilisiert und in der Mitte vom Ringband umgurtet.

Die äußere Schicht der Gelenkkapsel (Membrana fibrosa capsulae) entspringt am Limbus acetabuli und überdeckt trichterförmig fast vollständig den Oberschenkelknochenhals, um vorne an der Linie zwischen den beiden Oberschenkelrollhügeln (Linea intertrochanterica) zu inserieren. Hinten (dorsal) ist die Ansatzlinie etwa fingerbreit oberhalb des Randes (Crista intertrochanterica) zwischen den Oberschenkelknorren (Trochanter major und Trochanter minor) entfernt.

Die innere Schicht der Gelenkkapsel wird als Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis capsulae) bezeichnet.

Sie bildet die für die Ernährung des Knorpels wichtige Gelenkflüssigkeit (Synovia). Bewegungen des Hüftgelenks durchmischen die Gelenkflüssigkeit und verbessern dadurch die Aufnahme von Nährstoffen durch die Knorpelzellen (Chondrozyten). Die richtige Menge und Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit ist außerdem für die Schmierung des Hüftgelenkes von entscheidender Bedeutung. Durch sie wird die Reibung der korrespondierenden Knorpelflächen bei der Roll-Gleit-Bewegung minimiert.

Das Hüftgelenk besitzt einen Fettkörper (Corpus adiposum), welcher sich in der Hüftpfanne befindet.

Zwischen der Kapsel und dem Lendenmuskel befindet sich ein Schleimbeutel (Bursa iliopectinea), der meistens mit dem Hüftgelenk in Verbindung steht.

Hüftgelenksbänder rechts (Ansicht von vorne)

Hüftgelenksbänder rechts (Ansicht von hinten)

Das Hüftgelenk ist mit dem kräftigsten Bandapparat des menschlichen Körpers versehen, da es aufgrund des umfangreichen Bewegungsspielraums auf eine knochenbetonte Roll-Gleitbewegung (Arthrokinematik und Osteokinematik), wie etwa beim Kniegelenk verzichtet.

Die kapselverstärkenden Bänder sind derart schraubenförmig um den Oberschenkelknochenhals gewickelt, dass sie im Stand und in Streckung (Extension) gespannt sind, während sie sich bei Beugung (Flexion) abwickeln. Von jedem der Teilknochen des Hüftgelenkes windet sich ein Band zum gelenknahen Oberschenkelknochen. Sie stabilisieren, indem sie für eine Kontakterhaltung zwischen Gelenkpfanne und -kopf sorgen. Außerdem besitzt die knöcherne Gelenkpfanne ein zusätzliches Band, wodurch sie vervollständigt wird. In den Oberschenkelknochen führt noch ein Band, welches den Hüftkopf versorgt.

Das Hüftgelenk ist ein Nussgelenk, welches als Unterform des Kugelgelenks alle Bewegungsrichtungen, also insgesamt drei, als Freiheitsgrade zulässt:

Die innere Lendenmuskulatur stellen zwei Teilmuskeln des Musculus iliopsoas (Darmbeinmuskel=Musculus iliacus und großer Lendenmuskel=Musculus psoas major) dar. Sie beugen das Hüftgelenk, der Darmbeinmuskel bewirkt außerdem eine leichte Heranführungsbewegung und der große Lendenmuskel eine leichte Auswärtsdrehung. Der nur bei etwa 50 % der Menschen vorkommende kleine Lendenmuskel (Musculus psoas minor) unterstützt den großen. Bei Tieren hat er keine Wirkung auf das Hüftgelenk, da er selbständig am Darmbein ansetzt.

Weitere Beuger des Hüftgelenks sind der Schneidermuskel (Musculus sartorius), der Kammmuskel (Muskulus pectineus), der Schenkelbindenspanner oder Sprintermuskel (Musculus tensor fasciae latae) und der gerade Oberschenkelmuskel (Musculus rectus femoris).

Der große Gesäßmuskel (Musculus gluteus maximus) ist beim Menschen der kräftigste Strecker des Hüftgelenks, bei Tieren ist dies der mittlere Gesäßmuskel (Musculus gluteus medius). Der große Gesäßmuskel bewirkt außerdem eine Auswärtsdrehung, die oberen Fasern eine Abspreizbewegung und die unteren Fasern eine Heranführungsbewegung. Die langen Oberschenkelmuskeln: der Halbsehnenmuskel (Musculus semitendinosus), der Bizeps (Musculus biceps femoris) und der halbhäutige Muskel (Musculus semimembranosus) wirken auf das Hüftgelenk vorwiegend als Strecker.

Zu den Abduktoren der Hüfte zählen der Musculus Gluteus medius (mit allen Faseranteilen) sowie der Musculus Gluteus minimus (mit allen Faseranteilen) und der Musculus tensor fasciae latae.

Die an der Innenseite des Hüftgelenks angeordneten Adduktoren: der Kammmuskel (Musculus pectineus), der lange (Musculus adductor longus), kurze (Musculus adductor brevis), große Adduktor (Musculus adductor magnus) und der schlanke Muskel (Musculus gracilis) führen den Oberschenkel an den Körper heran.

Die tiefe hintere Schicht der hinteren, äußeren Hüftmuskulatur wird auch als „kleine Beckengesellschaft“ bezeichnet. Sie besteht aus den beiden Hüftlochmuskeln (Musculus obturator internus und Musculus obturator externus), den beiden Zwillingsmuskeln (Musculus gemellus superior und Musculus gemellus inferior) und dem viereckigen Oberschenkelmuskel (Musculus quadratus femoris). Alle Muskeln bewirken eine Auswärtsdrehung, ebenso der Birnenmuskel (Musculus piriformis).

Der mittlere Gesäßmuskel (Musculus gluteus medius), der kleine Gesäßmuskel (Musculus gluteus minimus) sowie der Musculus tensor fasciae latae bewirken beim Menschen eine Einwärtsdrehung und Abspreizbewegung des Oberschenkels. Bei anderen Säugetieren wirken sie als Hüftgelenkstrecker.

Haupterkrankungen des Hüftgelenkes beim Menschen sind:

Bei Haushunden spielen vererbte Fehlbildungen des Hüftgelenkes (Hüftdysplasie des Hundes) eine große Rolle. Auch Femurkopfnekrosen kommen bei Hunden vor. Frakturen können bei allen Tieren auftreten.

Typischerweise treten Veränderungen der Patella bei nachstehenden Erkrankungen auf:[2]

Rechtes Hüftgelenk (Ansicht von vorne-seitlich)
Oberschenkelknochenkopf
Röntgenbild eines gesunden linken Hüftgelenks
Hüftgelenk (Gelenkkapsel blau)
Blick von der Innenseite des Beckens auf das linke Hüftgelenk (links Poseitig, rechts Schambeiseitig). Die Hüftpfanne wurde eröffnet um den Blick auf das Oberschenkelhalsband frei zu geben
Röntgenaufnahme eines rechten Hüftgelenks (im Bild links) nach dem Einsetzen einer Prothese