Freies Radio

Freie Radios sind unabhängige selbstbestimmte, „offene“ Massenmedien, die nichtkommerziellen, basisdemokratischen Gesellschaftsrundfunk betreiben, der sich kritisch mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzt und nach eigener Aussage die freie Meinungsäußerung fördern soll.

Freie Radios sind kollektiv und gesellschaftlich sowie oftmals gemeinnützig organisiert, nicht auf Profit ausgerichtet und lehnen die Finanzierung durch kommerzielle Werbung ab. Sie basieren auf dem Konzept Gegenöffentlichkeit. Sie verstehen sich als Kommunikationsmittel im lokalen und regionalen Raum und unterstützen die regionale Entwicklung.

Freie Radios sehen den nichtkommerziellen Lokalfunk, zu dem sie und die Offenen Kanäle (diese werden auch als Bürgerrundfunk bezeichnet) zählen, als dritte Säule in der Medienlandschaft neben den öffentlich-rechtlichen und kommerziell-privaten Rundfunkveranstaltern an. Als Vorläufer der Freien Radios gelten zum Teil politische Piratensender.

In Deutschland sind Freie Radios in zwölf Bundesländern aktiv und konnten in bisher sieben Ländern medienrechtliche Grundlagen für eigenständigen Hörfunk durchsetzen. In drei weiteren Bundesländern senden Freie Radioinitiativen in Offenen Kanälen bzw. im Bürgerfunk. Daneben gibt es mehrere Bürgerinitiativen, u. a. in Berlin, Brandenburg, Dresden und Konstanz, die sich dort für die Schaffung Freier Radios einsetzen.

In Österreich[:2 1] sind 13 und in der Schweiz[:3 1] 18 freie Radios aktiv.

„Freies Radio“ ist die zutreffendste Entsprechung des englischen Begriffs Community Radio,[2] auch wenn die Abgrenzung zwischen Freien Radios, Bürgerradios, Offene Kanäle und Aus- und Fortbildungsradios historisch bedingt in den meisten Ländern nicht deckungsgleich ist bzw. zwischen diesen Modellen nicht überall differenziert wird. In allen Ländern organisieren sich viele dieser Sender in den nationalen Vereinen Freier Radios.

In den USA, die lediglich privatrechtlichen Rundfunk kennen (und hier zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Sendern unterscheiden, letztere National Public Radio (NPR) genannt und aus öffentlichen Mitteln mit Förderrichtlinien unterstützt), lizenziert die Medienbehörde FCC als Community Radio nichtkommerzielle Lokalsender, die zumeist von Vereinen betrieben werden, mindestens 50 Prozent lokales Programm gestalten und sich von NPR-Sendern dadurch unterscheiden, dass sie über ein diversifizierteres Programm und eine geringe Anzahl Mitwirkender und finanzieller Unterstützung verfügen.[3] Andere Länder wie Indien sehen für diese Sender eine geringere inhaltliche Regulierung vor, dafür jedoch Auflagen bei der Sendestärke und der Masthöhe für die Sendeanlage (in Indien bis 50 Watt ERP und 30 Meter Höhe), wobei eine Kulturförderung hinzukommt und dafür Werbezeitenverkauf auf fünf Minuten pro Stunde beschränkt ist.[4] Die Regeln wurden zuletzt 2006 neu geschaffen, nachdem ein richtungsweisendes Urteil aus dem Jahr 1995 Rundfunk als Gemeineigentum definierte und öffentlicher Zugang zu Sendemöglichkeiten erforderlich wurde („airwaves are public property“).[5] In Neuseeland werden die ACAB-Sender (Association of Community Access Broadcasters) getrennt in Plattformbetreiber mit Produktions- und Sendeeinrichtungen und Bürgern als Inhalteanbieter. Das System entspricht dem Modell des Offenen Kanals.[6]

Selbst innerhalb des deutschsprachigen Raums entwickelten sich differenzierte Modelle nichtkommerzieller Radiosender im Rahmen medienpolitischer Regulierungsprozesse. Während in Nordrhein-Westfalen zunächst kommerzielle Privatsender 15 Prozent Sendezeit nichtkommerziellen Bürgerradios zur Verfügung stellen mussten, wurden 2007 klassische Offene Kanäle geschaffen, wie sie in Rheinland-Pfalz seit Beginn des Privatfunks den Bürgern zur Verfügung stehen. In Bayern gibt es eigenständig von der BLM reguliert ausschließlich Aus- und Fortbildungskanäle, während freie Radios Lizenzen als reguläre private Programme benötigen. In Österreich gibt es überhaupt kein eigenständiges Modell, lediglich privatrechtliche Sender, teilweise mit öffentlicher Förderung wie z. B. Radio OP als Förderprojekt für Minderheitssprachen eines Gymnasiums.

Die Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios (UNIKOM)[:3 1] wurde 1983 gegründet.

Anfang der 1990er Jahre wurde der Vorläufer des Verband Freier Rundfunk Österreich (VFRÖ) gegründet. Im VFRÖ[:2 1] sind 15 Freie Radios und Radioinitiativen und zwei Fernsehstationen Mitglied. Über die Plattform Cultural Broadcasting Archive werden Audiobeiträge ausgetauscht.[:2 2]

Im November 1993 wurde während einer Medientagung in Hattingen der Bundesverband Freier Radios (BFR) gegründet und hat seitdem (fast) jedes Jahr einen Kongress und ein Hörfestival („Hirn & Hertz“) veranstaltet. Neben diesen Veranstaltungen gab es immer wieder die Initiative zu einzelnen Projekten, für die weitere Treffen stattfanden. In Baden-Württemberg gibt es außerdem noch die Assoziation Freier Gesellschaftsfunk (AFF) als Landesverband Freier Radios.

Der Bundesverband Freier Radios vertritt die Interessen seiner Mitglieder nach außen. Nicht alle freien Radios sind Mitglied in dem Verband. Der BFR organisiert die gemeinsame Weiterentwicklung (medien)politischer Zielsetzungen freier Radios sowie von Programminhalten und Sendeformen. Er fördert den Informationsaustausch unter den Mitgliedsinitiativen sowie mit anderen Medienprojekten. Zudem betreibt der BFR eine Webseite für den Programmaustausch[:1 1], dessen Beiträge auch als Podcast[:1 1] abonnierbar sind.

Weltweiter Interessensverband von Freien Radios ist die Association mondiale des radiodiffuseurs communautaires (AMARC).[:4 1]

Princesa FM von Ponta Grossa, Südbrasilien, ein Beispiel für FR. Wie angegeben, beträgt die Frequenz 87,9 MHz, eine der häufigsten Abstimmungen, die für diese Art von Radio in diesem Land vorgesehen sind.[1]