Evangelische Kirche in Mitteldeutschland

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist eine von 20 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ist wie alle Landeskirchen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Das Landeskirchenamt befindet sich in Erfurt, der Sitz des Landesbischofs ist Magdeburg. Als Bischofskirche der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland dient der Magdeburger Dom.

Die EKM wurde am 1. Januar 2009 durch Vereinigung der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen gebildet. Beide Landeskirchen bildeten seit 1. Juli 2004 die Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland.

Die neue Landeskirche ist Mitglied der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK). Die EKM hat 637.649 Gemeindeglieder (Stand: 2021[1]) in 3.139 Kirchengemeinden und verfügt über 3.971 Kirchen und Kapellen (Stand: 2017).[3] Damit hat die EKM die meisten Gotteshäuser aller Landeskirchen in Deutschland. Etwa jede fünfte evangelische Kirche steht auf dem Gebiet der EKM. Zugleich stellen die Gemeindemitglieder nur etwa 3,3 Prozent der deutschen Protestanten dar.

Das Gebiet der EKM befindet sich überwiegend in den Ländern Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem gehören kleinere Teile der Länder Brandenburg und Sachsen zum Gebiet der Landeskirche. Einige Gebiete in Sachsen-Anhalt gehören zur Evangelischen Landeskirche Anhalts, zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Havelberg) oder zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig (Calvörde, Blankenburg). Teile Thüringens gehören zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck oder zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Somit entspricht das Gebiet der EKM im Wesentlichen dem 1920 gegründeten Land Thüringen und der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland wurde am 1. Januar 2009 gegründet, nachdem die Synoden der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen im Jahr 2007 die Vereinigung ihrer beiden Landeskirchen beschlossen hatten und sich am 5. Juli 2008 eine gemeinsame Verfassung gaben.[4]

Zur Geschichte vor der Vereinigung der beiden Kirchen:

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare[5] wurde 2012 durch die Landessynode der EKM erlaubt, sofern keine Gewissensgründe bei Pfarrer oder Gemeindekirchenrat dem entgegenstehen.

An der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland steht der Landesbischof. Der gewählte Landesbischof wird im Magdeburger Dom in sein Amt eingeführt. Als erste gemeinsame Landesbischöfin wurde am 21. März 2009 Ilse Junkermann von der Landessynode im dritten Wahlgang gewählt und am 29. August 2009 eingeführt. Ihr Nachfolger im Amt wurde am 10. Mai 2019 ins Amt gewählt und am 7. September 2019 eingeführt.[6][7]

Als „Parlament“ hat die Landeskirche eine Landessynode. Deren Mitglieder, die 84 Synodalen, werden auf sechs Jahre gewählt bzw. berufen oder gehören ihr von Amts wegen an. Die Landessynode tritt in der Regel zweimal im Jahr zu einer mehrtägigen Sitzung zusammen. Die Tagung wird vom Präsidium geleitet, dem der Präses sowie zwei Stellvertreter und ein Schriftführer angehören. Zu den Aufgaben der Landessynode gehört, neben der Gesetzgebung, u. a. die Wahl des Bischofs, der Regionalbischöfe, der Dezernenten des Kirchenamtes und des Landeskirchenrates.

Die Landeskirche ist wie folgt aufgebaut:

An der Basis stehen die 3.139 Kirchengemeinden (Stand 2017)[3] als Körperschaften des öffentlichen Rechts mit gewählten Gemeindekirchenräten. Die Mitglieder dieser Gremien heißen Kirchenälteste.

Mehrere Kirchengemeinden bilden zusammen einen Kirchenkreis. Die 37 Kirchenkreise haben als Gremium die Kreissynode mit einem Präsidium der Kreissynode. Die Mitglieder der Kreissynode werden von den jeweiligen Gemeindekirchenräten gewählt. Der leitende Geistliche eines Kirchenkreises trägt die Amtsbezeichnung Superintendent, im Kirchenkreis Erfurt führt er traditionsgemäß den Titel Senior.

Mehrere Kirchenkreise bilden zusammen einen Bischofssprengel, in dem ein oder zwei Regionalbischöfe die geistliche Leitung innehaben.

Einen Sonderstatus besitzt der Reformierte Kirchenkreis mit Sitz in Halle.[8] Er besteht nicht aus einem zusammenhängenden Territorium, sondern aus den fünf reformierten Einzelgemeinden in Aschersleben, Burg, Halberstadt, Halle und Magdeburg. Der leitende Geistliche des Reformierten Kirchenkreises trägt die Amtsbezeichnung Senior.

Zum 1. Januar 2022 wurden die fünf bestehenden Propstsprengel aufgelöst und durch zwei Bischofssprengel ersetzt. In jedem Sprengel amtieren ein oder zwei von der Landessynode gewählte Regionalbischöfe, die sich die Verantwortung teilen.

Aufgeführt sind die Bischofssprengel, die vormaligen Propstsprengel und die zugehörigen Kirchenkreise:

Als oberste Verwaltungsbehörde der Landeskirche besteht das Landeskirchenamt, das seit Mai 2011 im Collegium Maius in Erfurt seinen Sitz hat. Bischofssitz der Landeskirche ist jedoch Magdeburg. An der Spitze des Landeskirchenamtes steht die Präsidentin, seit 1. Januar 2009 Brigitte Andrae. Zur Seite steht ihr ein Vizepräsident, derzeit Finanzdezernent Oberkirchenrat Stefan Große. Das Landeskirchenamt ist in 5 Dezernate, 19 Referate sowie weitere Geschäftsstellen und zugeordnete Dienststellen gegliedert.[9]

Die Gemeinden der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland singen aus dem Evangelischen Gesangbuch – Ausgabe für die Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Bayern und Thüringen, bzw. Ausgabe für die Evangelische Landeskirche Anhalts, die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg, die Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz, die Pommersche Evangelische Kirche, die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen.

Die wöchentliche Zeitung erschien erstmals im Jahr 1924. Sie trägt den Titel Glaube und Heimat und wird auch im Bereich der Evangelischen Landeskirche Anhalts verbreitet.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat nach eigenen Angaben (Stand 2021) seit 1990 elf Kirchen aufgegeben, fünf davon in Thüringen.

Die EKM hat im Jahr 2021 auf ihrem Territorium 3.890 Kirchen, davon 1.887 in Thüringen. 99 Prozent sind denkmalgeschützt, für jedes zweite Gotteshaus besteht Sanierungsbedarf an Dächern, Fassaden und Türmen. Für 5 Prozent wurden Hausschwamm und/oder dringender Handlungsbedarf angezeigt.[10] Der Anteil einsturzgefährdeter, baupolizeilich gesperrter und damit unbenutzbarer Kirchen in der EKM liegt nach eigenen Angaben unter einem Prozent (also < 39).[11]

2021 gab der Pressesprecher der EKM, Ralf-Uwe Beck, bekannt: „20 % aller Kirchen und Kapellen in Deutschland befinden sich auf unserem Gebiet, aber nur 3,5 % der Mitglieder. Im Durchschnitt gibt es in Deutschland 1.190 Kirchenmitglieder für eine Kirche. Bei uns sind es 190 Kirchenmitglieder pro Kirche. Damit wird klar, vor welcher Aufgabe wir stehen.“[12]

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland verleiht seit 2018 jährlich den Werner-Sylten-Preis an Personen und Gruppierungen, die sich um den christlich-jüdischen Dialog verdient gemacht haben. Namensgeber ist der evangelische Theologe Werner Sylten, der im Holocaust starb.[13]

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Landesbischof Friedrich Kramer bei der Predigt in seinem Einführungsgottesdienst im Magdeburger Dom (2019)
Bauermeister-Gedächtniskirche in Bitterfeld (2020 entwidmet und verkauft)