Enzyklopädie (Aventinus)

Encyclopedia ist der Titel einer systematischen Darstellung der Wissenschaften von Johannes Aventinus, die er für das Studium des bayerischen Herzogssohns Ernst an der Universität Ingolstadt wahrscheinlich 1516 erstellte und als Anhang zu seinen Rudimenta gramaticae 1517 in Ingolstadt im Druck herausgab. Es ist die erste gedruckte selbständige Abhandlung, die den Titel Enzyklopädie trägt.

Der vollständige Titel des Werkes lautet:

Der Text ist zwar in lateinischer Sprache, der damaligen Sprache der Gelehrten verfasst. Aventinus fügt jedoch an vielen Stellen deutsche Übersetzungen ein, die das Verständnis seines Textes für den in Latein nicht so versierten Zögling erleichtern sollten.

Nach einer umfangreichen Widmung an seinen Zögling Ernst von Bayern erklärt Aventin zunächst Inhalt und Bedeutung der Philosophie, die für ihn die gesamte Wissenschaft umfasst, benennt berühmte Philosophen und stellt dann ein System der Philosophie auf, indem er den antiken Autoren Quintilian und Aristoteles – nach der Topik und dem 6. Buch de rebus divinarum - folgt, nicht ohne zu bemerken, dass ihm wohlbekannt sei, dass die Platoniker die Philosophie anders einteilten.

Die Philosophie ist nach Aventin das Studium der Weisheit (sapientia), die Suche nach der Wahrheit (inquisitio veritatis) und die Erkenntnis der göttlichen und menschlichen Dinge (divinarum humanarumque rerum cognitio). Sie ist also ein erfarnus, erkantnus des grunds, wahrhait, natur aller ding. Der Philosoph ist ein hochgelerter, hochverstendiger, kunstreicher liebhaber aller kunst, ein kunstler, der mit den kunsten umbgeet, den rechten grund, warhait, natur, ursach in allen dingen vleissig nachgeet, suecht, forst. Philosophieren heißt, mit den kunsten, kunstlichen Dingen umbgeen, nachforschen, suechen, darvon reden, schreiben, wissen wellen, erfaren, nachgedencken, der warheit rechten grund, natur, ursach in allen dingen, kunst liebhaben.

Die zwei Haupttypen der Philosophie sind

Die rationale oder logische Philosophie gliedert sich in die

Sie besteht aus den Haupttypen

Sie handelt vom Glück, vom höchsten Guten, vom seligen und guten Leben, von den Tugenden und den Sitten. Dazu gehören u. a.: fortitudo – manhait; temperantia – messikait in essen und trincken, claidern, frawen; munificentia – mildickait; modestia – diemut; urbanitas – kurzweil.

Ein weiterer Teil der praktischen Philosophie ist das Recht, das sich in das Recht der Verteilung (iustitia distributiva) des Geldes und der Ämter, das Handelsrecht (iustitia commutativa, in kauffen und verkauffen) und das allgemeine Recht aufteilt. Das allgemeine Recht beruht wiederum einerseits auf den kaiserlichen Gesetzen und wird dann besonderes Zivilrecht (ius civile peculiare) oder römisches Recht genannt; andererseits auf dem Recht der Päpste (ius pontificum), das üblicherweise kanonisches Recht genannt wird.

Schließlich sind auch die Geschichte, die Sorge um die Familie (familia reque familiari procuranda – wie man hausen soll) sowie die Staatskunde (republica – wie man land und leut regieren soll) Gegenstände der praktischen Philosophie.

Dazu gehören

Dazu gehören