Emanzipation

Emanzipation stammt von dem lateinischen Wort emancipatio, das „Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt“ bedeutet.

Im 17./18. Jahrhundert erfolgte eine Bedeutungsverschiebung: Aus dem Akt des Gewährens von Selbstständigkeit wurde eine Aktion gesellschaftlicher und insbesondere politischer Selbstbefreiung. Ziel emanzipatorischen Bestrebens ist ein Zugewinn an Freiheit oder Gleichheit (im Sinne von Gleichberechtigung oder Gleichstellung), meist verbunden mit Kritik an Diskriminierung oder hegemonialen z. B. paternalistischen Strukturen, oder auch die Verringerung von z. B. seelischer, ökonomischer Abhängigkeit, etwa von den Eltern.

Meist bezeichnet Emanzipation die Befreiung von Gruppen, die aufgrund ihrer Ethnizität, ihres Geschlechts, ihrer Klassenzugehörigkeit oder Anderem diskriminiert und von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden (z. B. Judenemanzipation – siehe unten – oder Katholikenemanzipation). Für diesen weiteren Begriff politischer Emanzipation hat sich im US-amerikanischen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung empowerment (wörtlich „Ermächtigung“) durchgesetzt.

Das lateinische Wort emancipatio ist eine Zusammensetzung aus drei Wörtern: e: aus, manus: Hand, capere: nehmen. Als mancipatio bezeichnete man im römischen Recht einen förmlichen Übertragungsakt, der vor allem der Veräußerung von Sklaven und anderen wertvollen Gegenständen diente. Mit einer mancipatio konnte ein pater familias aber auch seine väterliche Gewalt über einen Sohn oder eine Tochter an einen Dritten übertragen und diesem das Kind damit in Dienst geben. Demgegenüber bedeutet e-mancipatio im juristischen Sinne die Entlassung „aus“ der väterlichen Gewalt in die Selbständigkeit.[1][2]

Im antiken Rom war die Emanzipation eine einmalige, durch den Höher- dem Niedrigergestellten erwiesene Gewährung eines Rechtes. (siehe auch Frauen im Alten Rom).

Das Mittelalter kannte die emancipatio canonica, etwa wenn Kinder von Ketzern aus deren Erziehungsberechtigung entnommen und Klosterschulen übergeben wurden.

In der frühen Neuzeit beginnt der reflexive Gebrauch der Emanzipation: Einzelne vermögen sich bevormundenden Strukturen zu entziehen, wobei sie sich häufig Verdächtigungen aussetzen.

Im Zeitalter der Aufklärung schließlich wird eine allgemeine gesellschaftliche Emanzipation angestrebt, zunächst im rechtlichen Bereich.

Die Forderung nach Emanzipation als Forderung nach Befreiung anderer (z. B. der Sklaven) und der Selbstbefreiung kulminierte bei Karl Marx in dem Satz: „Wir müssen uns selbst emancipieren, ehe wir andere emancipieren können.“,[3] wobei er in jeder Hinsicht die Emanzipation als eine Klassenfrage und nicht als eine Frage der Natur – etwa bei der Gleichberechtigung der Frau – herausstellte. Emanzipation erfüllt sich durch das bewusste Wahrnehmen und Gestalten von Freiheitsrechten.

Kritisch betrachtet wurde von christlicher Seite die im 19. Jahrhundert „neue Lehre von der Emancipation des Weibes“, welche auch im Christentum „das Weib zur Gleichstellung mit dem Manne emancipirt“.[4]

Ein Vorkämpfer der jüdischen Emanzipation war der Philosoph Moses Mendelssohn aus Dessau in Anhalt. Weit entfernt von einer gleichberechtigten Teilhabe an gesellschaftlicher Macht, lebten Minderheiten in Preußen dennoch unter weniger Repressionen als anderswo. Aufgrund seiner Religion wurde Mendelssohn nicht Mitglied der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften. Mendelssohn übersetzte das Alte Testament ins Deutsche; Gotthold Ephraim Lessing setzte ihm – dem „deutschen Sokrates“ – im Nathan ein Denkmal. Von Mendelssohn angeregt verfasste der preußische Jurist Christian Wilhelm von Dohm das Werk Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden[5] (1781).

In der neuen westlichen Geschichte können grob drei Emanzipationsbewegungen unterschieden werden.

Viele pädagogische und psychologische Theorien sehen als Ziel jeglicher Entwicklung des Individuums die Emanzipation z. B. vom Elternhaus, von elterlichen Normen und Zielvorstellungen.[10] Selbst wenn erwachsene Kinder noch eine Vielzahl elterlicher Wertvorstellungen haben, kann die Emanzipation als geglückt angesehen werden, sobald das Individuum eine eigene Dynamik der Lebensgestaltung sowie Lebensplanung entwickelt hat, die sich in Motivation und Planung nicht mehr auf die Erziehenden (auch die institutionell Erziehenden wie Erzieher, Lehrer usw.) beruft und stützt.[11]

Junge Männer bleiben im westlichen Kulturkreis statistisch gesehen länger bei den Eltern wohnen, während junge Frauen demnach früher selbstständig werden und sich von den Eltern emanzipieren.[12] Menschen, die sich auch im höheren Alter nicht emanzipiert haben, fühlen sich nicht verantwortlich für eigenes Tun, machen häufig noch die Eltern verantwortlich für gescheiterte Pläne und sind faktisch, psychisch oder materiell abhängig von anderen.[13]

Die geglückte Emanzipation ergibt sich aus verschiedenen Bedingungen – z. B. aus der