Dictionnaire historique et critique

Das Dictionnaire historique et critique („Historisches und kritisches Wörterbuch“; DHC) des französischen Frühaufklärers Pierre Bayle, erschienen erstmals 1694–1697, ist eine Kombination aus Enzyklopädie und Reallexikon. Das Spezifische an diesem Lexikon ist, dass Bayle zu jedem Thema Thesen und Gegenthesen – mit Quellen belegt – darstellt. Damit unterscheidet sich seine Herangehensweise von derjenigen der späteren Enzyklopädisten. Lediglich seinen Artikel zum „Skeptizismus“ übernahmen sie in ihr monumentales Werk.

Das Dictionnaire historique et critique erschien 1697 als Erstausgabe in zwei Bänden und wurde vielfach neu aufgelegt. Es gilt als eine der bedeutendsten Enzyklopädien der Aufklärung. Ausgangspunkt für Bayle war Louis Moréris Grand dictionnaire historique, das 1674 in Lyon erschienen war.

Pierre Bayle realisierte mit dem DHC eine Art Anti-Enzyklopädie, die nicht einen als gesichert bezeichneten Wissens- und Forschungsstand darstellt, sondern gegensätzliche Positionen einander gleichgeordnet oder sie gegeneinander abwägend gegenüberstellt; dazu verwendete er eine aufwändige Seitengestaltung mit zahllosen Fußnoten und Querverweisen. In seinem Dictionnaire historique et critique unternahm Bayle eine streng quellenkritische Sichtung des theologischen, philosophischen und historischen Wissens seiner Zeit.

Der Literaturwissenschaftler Paul Michel erläuterte:

„Jeder Meinung gesellt er sofort eine Gegenmeinung bei, um dem Benutzer selbständiges Denken abzunötigen. Die Paradoxien, die er in seinen Fussnoten erzeugt, führen mitunter freilich in die Nähe einer bodenlosen Skepsis.“[1]

Die Faktenlabyrinthe, die Bayle erschafft, bewirken genau das Gegenteil dessen, was eine normale Enzyklopädie versucht:

Das Buch wurde unmittelbar nach Erscheinen von der Zensur verboten. Dennoch fand das Dictionaire seine Leser und wurde zur „Bibel der Aufklärung“. Wilhelm Dilthey sprach sogar von der „Rüstkammer der Aufklärung“.

Das Dictionaire weist eine ihm typische lexikographische Makro- und Mikrostruktur auf. Ein Beispiel für den aufwändigen Satzspiegel des Werkes, der ein- und zweispaltigen Satz, Fußnoten und Marginalien kombiniert, ist rechts wiedergegeben.

Hannelore Gärtner beschreibt die typische Anordnung der Artikel:

„Auf das Stichwort folgt zunächst eine sachliche Information, meist mit Definition; Großbuchstaben an den entsprechenden Stellen in Klammern eingefügt, verweisen auf den anschließenden Teil, der einzelne Passagen des ersten Teils erläutert, kritisch kommentiert, mit Zitaten beweist oder widerlegt. In diesem Text machen wiederum Zeichen, lateinische oder griechische Buchstaben auf die Randbemerkungen aufmerksam, die Literaturangaben, auch Zitate und Verweisungen auf andere Artikel enthalten.“

Bayles Methode wurde teilweise auch von Diderot in der Encyclopédie in einer gemäßigteren Form übernommen. Der Artikel „Pyrronienne“ (Skeptizismus) basiert insgesamt auf Bayles kritischem Eintrag.

Ausgaben in französischer Sprache:

Eine Übersetzung in englischer Sprache von Banrad, Birch und Lockman erschien in mehreren Auflagen 1709–1741.

Johann Christoph Gottsched (1700–1766) fertigte eine mit Anmerkungen versehene deutsche Übersetzung an:

Ein kommentierter Nachdruck erschien 1997:

Zudem erschienen 1801 bis 1804 vier Bände einer auf acht Bände angelegten Übersetzung von Schneider im Verlag Wolf (Leipzig).[2]

Eine Auswahl mit neuer Übersetzung stellte Günter Gawlick zusammen:

Titelseite des Dictionnaire historique et critique (1694–1697) von Pierre Bayle
Reproduktion einer Seite aus dem Dictionnaire historique et critique
Titel von Johann Christoph Gottscheds Historischem und Critischem Wörterbuch von 1741
Beispielseite aus der deutschen Ausgabe des Historischen und kritischen Wörterbuchs